Allgemein,  Indonesien

Drei persönliche Learnings aus dem ersten Monat in Yogyakarta, Indonesien

Als ich vor ein paar Tagen die Visa-Behörde in Yogyakarta aufsuchte, um mein 30 Tage Visum zum ersten Mal zu verlängern, wurde mir plötzlich bewusst, dass der erste Monat meines Auslandspraktikums bereits vergangen ist. Unglaublich wie schnell die Zeit verfliegt. In diesem Blockbeitrag möchte ich auf die ersten vier Wochen zurückblicken und ein paar meiner zentralen Learnings teilen. Vielleicht sind sie ja für die ein oder andere, die gerade ihr Praktikum startet, hilfreich! 🙂

  1. Gib dir Zeit, um anzukommen! Trotz wirklich herzlicher Begrüßung durch die Schule und die Gastfamilie sowie super Rahmenbedingungen habe ich rückblickend einige Tage gebraucht, um mich wirklich angekommen und vollkommen wohl zu fühlen. Während ich mich anfangs von all den neuen Eindrücken, der Lautstärke in der Schule (bedingt durch offene Klassenzimmer ohne Türen), den vielen neuen Begegnungen, Namen und Gesichtern sowie von dem Klima (von -6 Grad in DE zu 31 Grad in Indonesien) ziemlich erschlagen gefühlt habe, hat sich mein Körper mittlerweile an das Klima sowie meine Ohren an den Geräuschpegel gewöhnt und mein Gedächtnis nach und nach die wichtigsten Namen, Gesichter und indonesischen Sprach-Basics abgespeichert. Was hat also für mich rückblickend gegen den anfänglichen „Struggle“ mich wohlzufühlen geholfen? Den Druck rauszunehmen (Es ist okay, wenn sich dein neuer Lebensort nicht schon an Tag 2 wie ein Zuhause anfühlt. Das Gefühl braucht Zeit.). Es langsam angehen lassen (Es ist okay, wenn man es die ersten Nachmittage und Wochenenden ein bisschen langsamer angehen lässt und noch nicht so viel erkundet).
  2. Einfach nachfragen! In den ersten Wochen ist es mir schwer gefallen „ungeschriebene“ kulturelle Regeln herauszufinden. So konnte ich beispielsweise schlecht einschätzen, welche Kleidung an welchen Orten angebracht ist (z.B. im Sportkurs), mit welchen Personen man sich alleine treffen darf und bei welchen man jemanden mitbringen sollte oder welche Straßen sich für einen Spaziergang eignen. Meine Betreuungslehrkraft und auch die anderen Lehrer:innen an der Schule sowie meine Gastfamilie erwiesen sich bei all diesen Fragen als sehr hilfreiche Ressourcen. Gerade zu Beginn hat es mich manchmal etwas Überwindung gekostet zu fragen, jedoch dachte ich mir fast immer im Nachhinein „Wie gut, dass ich nachgefragt habe. Das hätte ich selbst ganz anders eingeschätzt.“ Mein Learning daraus: Diesbezüglich gibt es wirklich keine dummen Fragen. Lieber einmal zu viel gefragt als zu wenig! (P.S. Auch im Sportkurs in Yogya sollte man beim ersten Besuch eine lange Hose und ein langes Oberteil tragen. Keine Sorge, der Sportraum ist natürlich klimatisiert :)).
  3. Bei Fomo: Qualität vor Quantität! Im Praktikum an der De Britto Schule in Yogyakarta (Indonesien) sind die Wochenenden und auch manche Nachmittage frei, was zahlreiche Gelegenheiten zum Erkunden der Gegend bietet. Yogyakarta und seine Umgebung hält super viele Sehenswürdigkeiten, Aktivitäten und tolle Plätze bereit. Zu Beginn meines Praktikums dachte ich, dass elf Wochen (einschließlich 2 Wochen Schulferien) mehr als genug Zeit bieten würden, all diese Vorhaben zu verwirklichen. Nachdem ich mir die ersten zwei Wochen Zeit und Ruhe genommen habe, um hier anzukommen, verfiel ich in Woche 3 schließlich in einen Fomo (Fear of missing out)-Zustand und hatte plötzlich das Gefühl, jede Sekunde, jede Sehenswürdigkeit abklappern und jeden schönen Ort besucht haben zu müssen. Denn was wäre, wenn ich jetzt 11 Wochen hatte, das Land zu erkunden und am Ende kaum etwas gesehen habe? Schließlich habe ich erkannt, dass der Wert meiner außerschulischen Erfahrungen hier nicht in der Menge an Orten und Sehenswürdigkeiten liegt, sondern in der Qualität und in den Details der Erlebnissen. So fühlte ich mich viel mehr erfüllt von den „kleineren“, persönlicheren Aktivitäten (z.B. den Sonntagsgottesdienst mit meiner Gastfamilie besuchen und danach gemeinsam ein traditionelles Frühstück genießen, mit den Lehrern einen Kaffee in der Mittagspause trinken, mit Schülern nach der Deutsch-AG quatschen, sich im Lehrerzimmer verratschen), als von den „großen“ Ausflügen zu den Sehenswürdigkeiten. Mein Learning daraus: Man kann eh nicht alles sehen, also muss man sich gar nicht erst den Stress machen! Lieber ein paar wenige Sachen raussuchen, die man wirklich unbedingt sehen/machen möchte und dann einfach abwarten und schauen, was sich ergibt. Die schönsten Sachen sind für mich gerade die, die sich spontan ergeben und dafür ist ein voller Plan an Freizeitaktivitäten nicht so günstig.

Ich bin gespannt, welche Learnings sich in den nächsten zwei Monaten noch so herauskristallisieren (sowohl in Bezug auf Schule & Unterricht als auch persönlich). 🙂

Zum Abschluss noch ein paar Worte zur De Britto Schule (mehr dazu im zweiten Blogbeitrag): Sowohl der Betreuungslehrer als auch die anderen Lehrer:innen haben mich super herzlich willkommen geheißen. Ich freue mich jeden Tag, das Lehrerzimmer zu betreten und mich mit den Lehrkräften auszutauschen. In der Schule fühle ich mich sehr wohl! Die Schüler (ausschließlich Jungs) sind unglaublich stolz, diese Schule besuchen zu dürfen, was sich in vielerlei Hinsicht im Schulalltag bemerkbar macht (z.B. selbstgestaltetes Merch, außerordentliches Engagement in Schulveranstaltungen, kräftiges Mitsingen bei der Schulhymne) und ein starkes Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Schule verspüren lässt.

Der Balkon im homestay, dekoriert mit vielen grünen Pflanzen, hat sich als wunderbaren Ort für Ruhepausen erwiesen.
Ich bin großer Fan von der indonesischen Küche geworden! Auch wenn viele Gerichte Fleisch beinhalten und die Reaktionen der Einheimischen auf den Wunsch „tidak pakai daging“ (bitte ohne Fleisch) skeptisch ausfallen und dabei meist die Anschlussfrage „no meat, but chicken okay?“ folgt, gibt es super leckere Gerichte für Vegetarier. Zum Beispiel Gado-Gado (oben rechts) und Lotak (unten links). Große Empfehlung!! Direkt gegenüber von der Schule gibt es ein kleines Warung, das diese Köstlichkeiten anbietet.
Ein Beispiel für die kleinen Detail-Erlebnisse, die den Aufenthalt hier so besonders machen. Vor dem Elternabend der 12. Klasse feierten Lehrer:innen, Schüler und Eltern einen Gottesdienst zusammen in der Schulkirche. Die Religionszugehörigkeit spielt dabei keine Rolle, sowohl Muslime als auch Christen feiern zusammen. Das Highlight des Gottesdienstes: Wenn die Schüler die De Britto Schulhymne singen. Dann ist der ganze Raum mit Stolz und Gemeinschaftsgefühl erfüllt.