Auckland,  Neuseeland,  Nordinsel

One hand on your chest and one hand on your belly: “Be strong, be brave, have a go!”

Mit einer gemeinsamen Atemübung und einer passenden Affirmation wurden die Kinder nach einem Zusammenkommen in der Aula am ersten Schultag nach den Sommerferien in das neue Schuljahr geschickt. Herzlich willkommen an der Laingholm Primary School in Neuseeland 🙂

Hier darf ich in den nächsten Wochen das neuseeländische Schulsystem kennenlernen. Heute möchte ich auf die ersten tollen anderthalb Wochen in Laingholm zurückblicken. 

Noch bevor die Schule offiziell angefangen hat, durften wir zwei „german girls“ (wie wir hier liebevoll genannt werden) zwei Tage bei den Teacher-Only-Days dabei sein. Wir wurden sehr herzlich begrüßt und alle Lehrkräfte haben sich nach den Sommerferien sehr gefreut, sich wiederzusehen! Wir sind hier an einer kleinen Schule in einem Vorort von Auckland, der neben der Schule und einem Community-Haus vor allem eines zu bieten hat: beeindruckende Natur. Den nächsten Supermarkt findet man beispielsweise erst im Nachbarort Titirangi. Dadurch wirkt alles sehr familiär, fast alle kennen sich untereinander, und es entsteht ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

Am Vormittag des ersten Tages der Teacher-Only-Days gab es ein zweistündiges Zeitfenster, in dem alle Lehrkräfte in ihren Klassenzimmern waren. Sowohl Schüler:innen als auch Eltern hatten die Möglichkeit, vorbeizukommen. Ziel war es, dem ersten Schultag nach den Ferien etwas Aufregung und Druck zu nehmen. Die Kinder konnten so ihre neue Lehrkraft, ihren Klassenraum und ihre Klassenkamerad:innen schon am Ende der langen Sommerferien kennenlernen. Dadurch, dass man hier ab dem 5. Geburtstag in die Schule geht und es jahrgangsgemischten Unterricht (häufig year 1, year 2 and 3, year 4 and 5 and year 5 and 6) gibt, haben die Kinder (zumindest teilweise) jedes Jahr neue Klassenkamerad:innen und eine neue Lehrkraft. Dieses freiwillige Angebot wurde von den Schüler:innen und Eltern sehr gut angenommen 🙂

Danach war das Thema der Lehrerkonferenz auch direkt „first visit“. Es ging um erste Eindrücke, mögliche Vorurteile und um Beziehungen zu den Eltern. Zwei Dinge sind mir dabei besonders im Kopf geblieben: Die Lehrkräfte haben sehr offen ihre Erfahrungen geteilt. Dabei ging es sowohl um positive als auch um negative Erfahrungen und Herausforderungen. Sie haben sich über Probleme/negative Erfahrungen ausgetauscht, sich zugehört und gegenseitig Tipps gegeben. Im Anschluss daran haben die Lehrkräfte die Aufgabe bekommen, einen Perspektivwechsel einzunehmen, über den Schulhof und durch das Schulgebäude zu laufen und alles aufzuschreiben, was ihnen negativ auffällt. Zusätzlich haben sie notiert, was sie selbst kurz- und langfristig verändern wollen. 

Am zweiten Tag ging es vor allem um organisatorische Dinge, die sich auf Veränderungen im Curriculum bezogen. 

Nach einem Wochenende zum Ankommen folgte die erste Schulwoche und ein langes Wochenende, weil der nächste Freitag ein Feiertag war. 

In der ersten Schulwoche sind mir viele kleine Dinge aufgefallen, die sich auf das growth mindset der Kinder und socio-emotional skills beziehen: Es gibt regelmäßige brain breaks, in denen gemeinsam geatmet wird. Sätze wie „High five to your buddy and say you are so clever” oder “You should be very proud of yourself” fallen häufig und werden durch individuelles Lob ergänzt. Es gibt keine Noten und keine Klassenarbeiten. Bei den Juniors (Year 1-3) wird beispielsweise jedes Kind 3x pro Jahr einzeln in reading, writing, spelling und maths getestet, damit es individuell gefördert werden kann. Der Fokus liegt sehr auf der individuellen Lernentwicklung.

Jede Klasse hat eine Buddy-Klasse (immer eine Junior-Klasse mit einer Senior-Klasse zusammen). Buddy-Klassen treffen sich mehrmals pro Woche, um gemeinsam zu lesen, Sport zu machen oder zu singen. Die Schulwerte (Honesty, Excellence, Aroha, Respect und Trust) sind im Schulalltag sehr präsent. Besonders auffällig ist das große Vertrauen gegenüber den Schüler:innen und die insgesamt ruhige Atmosphäre. 

Der starke Fokus auf sozio-emotionale Kompetenzen, Vertrauen und individuelle Lernentwicklung ist sehr erfrischend und löst direkt viele Fragen aus: Welche Strukturen ermöglichen dieses Schulklima? Welche Rahmenbedingungen spielen eine entscheidende Rolle? Welche Elemente ließen sich vielleicht auch in anderen Bildungskontexten umsetzen? Wie kann ich das, was ich hier beobachte, zumindest in Teilen für meine eigene pädagogische Praxis mitnehmen? Schon in der ersten Woche habe ich mein eigenes Handeln als Lehrkraft viel reflektiert und Ideen gesammelt, was ich für mich persönlich mitnehmen möchte.

Neben all den schulischen Eindrücken genießen wir auch unsere freie Zeit sehr: An dem langen Wochenende waren wir auf dem Laneway Festival in Auckland, haben Auckland City erkundet, waren in Karekare wandern und haben einen Kuchen für die Lehrkräfte in der Schule gebacken. 

Schon in meiner ersten Zeit hier wurde mir schnell klar, dass Neuseeland nicht nur eine beeindruckende Landschaft und Natur zu bieten hat, sondern auch von sehr zuvorkommenden und freundlichen Menschen geprägt ist. 

Ich freue mich sehr auf alles, was noch kommt!