
Als ich am Flughafen aus dem Flugzeug trat, umhüllte mich sofort eine warme, feuchte Luft, wie ich sie noch nie zuvor erlebt hatte. Sie fühlte sich schwer und gleichzeitig einladend an – als würde sie sagen: Hier beginnt etwas Neues. In diesem Moment wusste ich: Dieses Abenteuer wird mich verändern.
In Sunyani, wo wir Praktikant:innen von Pia (der Schulgründerin bzw. unserer Gastmutter) am kleinen Inlandsflughafen abgeholt wurden, begegnete mir eine Herzlichkeit, die ich kaum in Worte fassen kann. Schon auf den ersten Metern wurde spürbar, wie die Menschen hier miteinander verbunden sind. Immer wieder trafen wir Personen, die Pia kannten. Spontane Gespräche, Lachen, ein freundlicher Gruß im Vorbeigehen. Diese selbstverständliche Nähe zwischen Menschen vermittelte mir sofort ein Gefühl von Zugehörigkeit.
Was sich ebenfalls sofort einprägte, war der rot-braune Sand, der scheinbar überall präsent war. Auf Autositzen, im Kofferraum, am Lenkrad, auf der Kleidung – er war Teil der Umgebung und ließ sich nicht ignorieren. Rückblickend musste ich schmunzeln: Die Warnung ehemaliger Praktikant:innen, keine weiße Kleidung mitzunehmen, war absolut berechtigt. Nichts bleibt hier lange makellos.
Auch die Autofahrt selbst war eine neue Erfahrung. Sicherheitsgurte spielten eine eher untergeordnete Rolle, und ein Auto, das für fünf Personen gedacht ist, kann ohne Weiteres auch acht Menschen transportieren. Anfangs ungewohnt, doch bald Teil einer Realität, die weniger von Regeln und mehr vom pragmatischen Miteinander geprägt ist.



Während der Fahrt konnte ich meinen Blick kaum vom Fenster lösen. Die Weite der Landschaft, die zahlreichen Bäume und dazwischen immer wieder kleine Häuser oder schlichte Hütten mit Blechdächern zeichneten ein ruhiges, fast zeitloses Bild. Ziegen und Hühner bewegten sich frei zwischen den Wegen und Häusern. Besonders beeindruckend waren die Frauen, die mit bemerkenswerter Leichtigkeit schwere Lasten auf ihren Köpfen balancierten: Einkäufe, Waren oder Wasserbehälter. Viele trugen farbenfrohe Stoffe, kunstvoll um den Körper gewickelt, und oft war darin ein kleines Kind sicher auf dem Rücken geborgen.
Überhaupt war die Farbenvielfalt der Kleidung überwältigend. Leuchtende Muster und kräftige Farbtöne prägten das Straßenbild und vermittelten eine spürbare Lebensfreude. Wenn ich in die Gesichter der Menschen blickte, hatte ich das Gefühl, Geschichten zu sehen. Geschichten von Stärke, Erfahrung und Würde. Ihre Ausstrahlung wirkte auf mich intensiv und berührend.
Begegnungen begannen meist mit einer herzlichen Begrüßung und der Frage nach meinem Namen oder genauer gesagt nach meinem Geburtstag im Sinne des Wochentages, an dem ich geboren wurde. Diese Tradition führte häufig zu viel Lachen, besonders dann, wenn ich zu Beginn noch ratlos war. Es war eine offene, warme Art, miteinander ins Gespräch zu kommen.


Ein weiteres lebendiges Bild bot sich entlang der Straßen: Überall wurde Essen frisch zubereitet und verkauft. Ich erinnere mich besonders an eine Frau, die bananenähnliche Früchte über offenem Feuer grillte und anschließend mit Erdnüssen anbot. Es waren Kochbananen, auch Plantain genannt. Sie entwickelten sich schnell zu einer meiner liebsten Speisen. Daneben gab es kleine Stände mit Obst, Brot, Getränken und allem, was man für den Alltag braucht. Essen war hier nicht nur Versorgung, sondern Teil des sozialen Lebens.
Die Fahrt selbst war holprig, denn die Straßen bestanden meist aus dem Sandboden, von welchem sich die Spuren eben überall abzeichneten. Geteerte Wege gab es nur im Stadtzentrum. Unser Ziel lag jedoch etwa zwanzig Minuten außerhalb von Sunyani. Eine Schule, eingebettet in weitläufige Natur, umgeben von Stille.
Schon in diesen ersten Momenten wurde mir klar: Ghana ist kein Ort, den man nur besucht. Es ist ein Ort, den man spürt. In der Luft, im Staub, im Lachen der Menschen und in der Wärme jeder Begegnung.


