Das Abenteuer konnte beginnen – drei spannende, abenteuerreiche Monate lagen vor mir und ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde. Angekommen am Flughafen in Sunyani wurden wir fünf Volunteers herzlich von Pia empfangen. Auf dem Weg zur Schule, die direkt neben dem Haus liegt, bekamen wir sofort einen ersten Eindruck von Ghana: Das Auto ruckelte über die staubigen Straßen, roter Sand wirbelte auf, Menschen balancierten Dinge auf ihren Köpfen und viele Mütter trugen ihre Kinder in Tragetüchern auf dem Rücken. Alles wirkte lebendig, bunt und fremd.
Kaum an der Schule angekommen, erlebten wir einen unvergesslichen Moment: Bevor wir durch die Einfahrt fahren durften, mussten wir aussteigen. Rechts und links standen die Kinder und Lehrer, um uns mit Gesang zu begrüßen. Herzliche Stimmen, strahlende Gesichter – da konnte die ein oder andere Träne nicht ausbleiben.
Im Anschluss durften wir direkt beim Zubereiten von Fufu mithelfen. Fufu, ein Brei aus Plantain (Kochbanane) und Cassava, wird in einer Holzschüssel mit einem Holzstab geklopft – eine Person stampft, eine andere wendet. Dies wird immer mit einer herzhaften Soße serviert und traditionell mit den Händen gegessen. Ich hatte noch nie etwas Vergleichbares probiert, aber es schmeckte unglaublich lecker.
Am ersten Schultag dachte ich, ich würde zunächst das ghanaische Schulsystem beobachten. Doch kaum angekommen, hielt mir die Lehrkraft der zweiten Klasse ein Buch hin: „Can you teach this?“ und schon ging es los. Ich war völlig überwältigt: Wie läuft der Unterricht? Welche Regeln gelten? Was können die Kinder schon? Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, dass ich mit dieser Klasse in den kommenden zwei Monaten viel Zeit verbringen werde. Denn nach drei Wochen übernahmen Anna und ich schließlich die Zweitklassenleitung. Uns war direkt bewusst, dass es zwar herausfordernd sein wird, aber wir auch viel Freude und Motivation mitbrachten, uns dieser besonderen Aufgabe zu stellen.
Wir wussten sofort: Die Sitzordnung musste verändert werden. Anfangs stießen wir auf Widerstand, denn die Kinder wollten unbedingt an IHREM Tisch, IHREM Stuhl und IHREM Sitzplatz bleiben. Doch nach und nach akzeptierten sie die neue Ordnung.
Gleichzeitig führten wir fünf zentrale Regelkarten ein, um damit Struktur zu schaffen. Nach einer Woche kam eine sechste Regel „We remain seated!“ hinzu, da es den Kindern noch schwerfiel, auf ihren Plätzen zu bleiben. Jeden Morgen schrieben wir den Tagesablauf an die Tafel. Außerdem erstellten wir eine Ampel, die das aktuelle Verhalten anzeigte. Dieses reflektierten wir gemeinsam nach jeder Stunde und hielten es im Tagesplan mit einem Smiley fest. All dies gab den Kindern Struktur und Klarheit, was ihnen gut tat.
Täglich starteten wir mit einem Morgenlied:
„Good morning. Good morning. I am glad you are here today. Good morning. Good morning. Let’s stand up tall and say: I am awesome, I am smart, I can learn anything I want, I am in control, I like myself, so does anyone else.“
Es war ein fröhlicher Start, der die Stimmung für den gesamten Tag setzte 🙂
(hier ist die vierte Klasse zu sehen)
Schon bald merkten wir, dass die Kinder individuelle Bestätigung brauchten.
High Fives, Umarmungen, Handschläge oder ein Tanz – sie konnten selbst entscheiden, wie sie morgens begrüßt werden wollten. Diese kleinen Gesten stärkten die Bindung und beeinflussten den Unterricht positiv.
Respekt und Aufmerksamkeit zu gewinnen, war nicht immer einfach. Wir versuchten, die Kinder durch positive Verstärkung zu motivieren, indem die gute Mitarbeit einzelner Kinder durch den Anschrieb ihres Namens an der Tafel belohnt wurde. Nach und nach spürten wir, dass dieses Vorgehen Wirkung zeigte, auch wenn es herausfordernd blieb, da sie es anders gewohnt waren.
Jeden Tag lernten wir die Kinder besser kennen, verstanden ihre Bedürfnisse und die Kultur, aus der sie kamen. Viele Kinder haben es schon in ihren jungen Jahren nicht leicht, weshalb es besonders wichtig ist, sensibel auf sie einzugehen. Rückblickend waren diese drei Monate nicht nur für die Kinder lehrreich. Sie haben auch mir unglaublich viel gegeben: Geduld, Kreativität, Einfühlungsvermögen und die Erfahrung, dass kleine Gesten Großes bewirken können.








