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Schulalltag in Ghana – Ein Einblick in den Bezaleel Educational Complex in Sunyani

In den ersten drei Wochen meines Praktikums am Bezaleel Educational Complex in Sunyani, Ghana, hatte ich bereits die Möglichkeit, den Schulalltag vor Ort intensiv kennenzulernen. Viele Dinge unterscheiden sich deutlich von dem, was ich aus Deutschland gewohnt bin, gleichzeitig gibt es aber auch einige Gemeinsamkeiten. Besonders spannend war es für mich zu sehen, wie Lernen hier organisiert ist und welche Rolle Schule im Alltag der Kinder spielt.

Der Bezaleel Educational Complex umfasst mehrere Altersstufen. Aktuell besuchen Kinder im Alter von etwa eineinhalb bis dreizehn Jahren die Schule. Sie beginnt mit der Creche und Nursery für die ganz kleinen Kinder, danach folgen Kindergarten 1 und 2 sowie die Grundschule bis zur siebten Klasse. Der Schultag beginnt um 8 Uhr morgens und endet gegen 14 Uhr. Eine Unterrichtsstunde dauert hier 60 Minuten. Es gibt zwei Pausen von jeweils 30 Minuten, in denen die Kinder draußen spielen oder gemeinsam essen. Besonders schön ist, dass die Kinder ein warmes, frisch gekochtes Essen bekommen, das für viele Kinder die wichtigste Mahlzeit des Tages darstellt.

Eine Besonderheit der Schule sind die relativ kleinen Klassen. In den meisten Klassen lernen zwischen vier und dreizehn Kinder. Das ist für Ghana eher ungewöhnlich, denn in staatlichen Schulen sind Klassen mit sechzig bis neunzig Schülerinnen und Schülern keine Seltenheit. Die kleineren Klassen ermöglichen es zwar grundsätzlich, individueller auf die Kinder einzugehen, dennoch hängt die Qualität des Unterrichts stark von den vorhandenen Materialien und den Lehrkräften ab.

Die Schülerinnen und Schüler haben eine Vielzahl an Fächern. Dazu gehören Englisch, Twi – eine der wichtigsten Landessprachen –, Deutsch, Religious and Moral Education (RME), Physical Education (PE), Creative Arts, ICT (Information and Communication Technology), Science, History und Mathematics. Besonders interessant ist, dass Deutsch tatsächlich vier Stunden pro Woche unterrichtet wird. Gleichzeitig spielen praktische oder kreative Fächer wie Creative Arts und Sport im Alltag häufig eine eher kleine Rolle. Oft fehlen Materialien oder geeignete Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten. Durch eine Spendenaktion, die wir Praktikanten ins Leben gerufen haben, konnte jetzt eine Tischtennisplatte für die Schule angeschafft werden. Seitdem haben die Kinder eine neue Möglichkeit, sich im Sportunterricht zu bewegen, und nutzen diese begeistert.

Der Unterricht selbst ist häufig sehr frontal und theoretisch aufgebaut. Die Lehrkraft steht meist vorne an der Tafel und erklärt die Inhalte, während die Kinder zuhören, mitschreiben oder Aufgaben aus ihren Lehrbüchern bearbeiten. Ein großer Teil des Lernens besteht aus Wiederholen und Auswendiglernen. Schon im Kindergarten lernen die Kinder alle Buchstaben und Zahlen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie beim Übergang in die Grundschule bereits lesen können, denn oft liegt der Fokus stärker auf dem Auswendiglernen als auf dem tatsächlichen Verständnis.

Auch die Situation der Lehrkräfte unterscheidet sich von der in Deutschland. Nicht alle Lehrerinnen und Lehrer haben eine formale pädagogische Ausbildung, und der Beruf genießt in vielen Teilen der Gesellschaft ein geringeres Ansehen. Trotzdem habe ich viele engagierte Lehrkräfte kennengelernt, die sich sehr für ihre Schülerinnen und Schüler einsetzen und versuchen, ihnen trotz begrenzter Ressourcen möglichst viel Wissen zu vermitteln.

Es ist für mich eine sehr bereichernde Erfahrung, den Schulalltag in Ghana mitzuerleben. Obwohl viele Bedingungen anders sind als in Deutschland, merkt man deutlich, wie motiviert und wissbegierig die Kinder sind. Die Zeit an der Schule zeigt mir, wie unterschiedlich Bildungssysteme funktionieren können und wie wichtig Schule überall auf der Welt für die Zukunft von Kindern ist.

die Schulfamilie freut sich auf die neue Tischtennisplatte
Auntie Lizzy kocht Mittagessen