Auckland,  Neuseeland,  Nordinsel

Andere Länder, andere Sitten. Oder auch „No worries, she’ll be right“.

In Neuseeland ist nicht nur das Schulsystem anders. Auch die Menschen und die Kultur sind nicht so europäisch wie ich dachte, und wie man es überall liest. Obwohl vieles von der britischen Kultur abstammt (zum Beispiel typische Sportarten aus der Schule, in welchen Einheiten gemessen wird und auch das „Nationalgericht“ Fish & Chips), gibt es am anderen Ende der Welt ganz eigene typische neuseeländische Gewohnheiten.

Diesen Blogbeitrag möchte ich nutzen, um darüber ein bisschen mehr zu erzählen. Wir gehen rein in meine Highlights, die mir besonders gut gefallen 🙂

Alle sind extrem entspannt (vielleicht auch manchmal zu entspannt?) und haben ganz viel Vertrauen gegenüber ihren Mitmenschen, egal ob jung oder alt. „No worries, she’ll be right“ oder „No worries, he’ll be right“ ist ein Satz, den man sehr häufig hört. Auf bayrisch würden wir wahrscheinlich sagen, „Keine Sorge, passt scho“. Dieser Satz beschreibt sehr gut die Lebenseinstellung und das Lebensgefühl der Menschen hier. Fast kein Training vor dem Schwimmwettkampf? Kein Problem. Ein Schüler aus dem ersten Schuljahr, das während des Unterrichts kurz rausgeht und ich mich frage, ob man hinterherlaufen soll? „No worries, he’ll be right“. Schüler:innen, die im Assembly alleine die Technik übernehmen, für Lehrkräfte kopieren gehen oder Seniors, die in der Pause als „Monitors“ auf die Juniors aufpassen ohne dass eine Lehrkraft dabei ist? „No worries, they’ll be right“. Im Museum eine Grafik, in der es darum geht, dass Auckland komplett auf Vulkanen gebaut wurde und irgendwann wieder einer ausbrechen wird: „No worries, she’ll be right“. 

Zu der Entspanntheit passt auch, dass Cafes häufig nachmittags ab 14:30/15:00 Uhr geschlossen haben. Da wollen ja schließlich alle ihren Feierabend am Strand oder in der Natur genießen 🙂 Zusätzlich herrscht hier eine super angenehme Sorglosigkeit, die kombiniert wird mit einer sehr zuvorkommenden Nettigkeit. Niemand muss hier aktiv nach Hilfe fragen. Man bekommt sie immer direkt angeboten. Und gleichzeitig sind alle sehr wertschätzend und freundlich zueinander. Sich beim Busfahrer zu bedanken, wenn man aussteigt, ist hier genau so normal wie die Menschen im Supermarkt an der Kasse, die einen fragen wie der Tag war und einem am Ende alles Gute wünschen. 

In Bezug auf das Essen gibt es hier auch einige besondere Angewohnheiten. Insgesamt ist es sehr amerikanisch und asiatisch, und ein bisschen europäisch. Eine ganz typische neuseeländische Küche gibt es nicht. Was aber typisch ist, ist zum Beispiel der Marmite Brotaufstrich. Marmite ist klebrig und fast wie ein Sirup. Es erinnert vom Geschmack ein bisschen an Maggi und wird zum Beispiel einfach mit ein bisschen Frischkäse auf Brot gegessen. Ebenso typisch fürs Frühstück sind Weetabix. Das sind zusammengepresste Kekskrümel und Haferflocken, die in Milch aufgelöst werden. Ehrlich gesagt schmeckt das nach nicht viel 🙂 Für jede Mahlzeit sehr typisch sind Pies, und die sind auf jeden Fall extrem lecker! Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass Pies hier Grundnahrungsmittel sind! Es gibt sie in allen Größen und Geschmacksrichtungen. Pies sind wie kleine Blätterteigmuffins mit herzhaften oder süßen Füllungen. Besonders beliebt ist eine Mischung aus Mince und Cheese, also Hackfleisch mit Käse. Pies gibt es wirklich überall (im Supermarkt, an Tankstellen, in Cafes oder in eigenen kleinen Straßenverkaufsläden) und meist werden sie einfach kurz to go gesnacked. Ansonsten gibt es viel Fleisch und Dosenspaghetti auf Toastbrot. Und der Flat White wurde hier erfunden. Eine besonders schöne Sache, die ich hier kennengelernt habe, ist Kuchen mit Joghurt. In Cafes wird man häufig gefragt, ob man zum Kuchen einen Löffel Naturjoghurt haben möchte. Das ist eine Kombination, die ich auf jeden Fall in meinen Alltag in Deutschland integrieren werde 🙂

Nach dem Lebensgefühl und dem Essen fehlt natürlich noch die Sprache. Klar, hier wird englisch gesprochen. Sehr schönes Englisch mit eher britischem Akzent. Aber auch mit sehr eigenen Wörtern oder Ausdrücken. Das klassischste Beispiel, das hier wirklich ganz normal verwendet wird, ist „sweet as“. Sweet as what? könnte man sich jetzt fragen. Sweet as bedeutet aber einfach so viel wie „ok, alles cool“. Hier ein kurzes Beispiel. Lena und ich haben ein Wochenende am Piha Beach verbracht und sind vom Strand zu unserer Unterkunft gelaufen, als es angefangen hat zu regnen. Ein Auto hat angehalten und der Mann hat gefragt „You guys want a lift?“ Als wir erklärt haben, dass wir nur kurz ein paar Treppen hochgehen müssen, hat er uns mit „Alright, sweet as“ verabschiedet. „Jandals“ sind FlipFlops, zu Sonnenbrille sagt man „Sunnies“ und Sonnencreme ist im Slang oft einfach nur „Blocks“ (von Sunblock). 

Genau so schnell wie man die Sprache übernimmt, übernimmt man auch die Lockerheit und die Entspanntheit der Neuseeländer. Und das große Vertrauen in die Kinder. Das ist etwas, das ich neben der Kuchen-Joghurt-Kombi auf jeden Fall mitnehmen werde und in meinen Schulalltag integrieren möchte. Ich bin sehr dankbar, dass ich neben dem Schulsystem auch diese Seite des Landes und der Kultur kennenlernen darf!