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Eindrücke aus dem Schulalltag einer Highschool in Yogyakarta, Indonesien

Das SMA Kolese De Britto in Yogyakarta, Indonesien

Das SMA Kolese De Britto ist eine katholische Privatschule der Jesuiten, die ausschließlich von Jungen der Klassenstufe 10, 11 und 12 besucht wird. Die Schule wird aktuell von ca. 914 Schülern besucht. Ungefähr die Hälfte der Schüler lebt in den Wohnheimen in der Nähe des Schulgeländes, denn die Schülerschaft kommt aus allen Teilen Indonesiens. Obwohl die Mehrheit der Schüler katholisch ist, lernen zum Beispiel auch muslimische Schüler an der De Britto Schule. Die Schule strebt einen ganzheitlichen Bildungsansatz an. So geht es nicht nur um gute schulische Leistungen, sondern auch um die Vermittlung von wichtigen Werten. Die Schüler sollen zu mündigen und ehrlichen Bürgern heranwachsen und Eigenverantwortung übernehmen. So lautet auch das Motto der Schule: „Educating young men to be leaders in the service of others“.

Deutschunterricht an der De Britto Schule

In der 10. Klasse erhalten die Schüler eine Stunde pro Woche Deutschunterricht, in der 11. Und 12. Klasse zwei Stunden pro Woche. In der 10. Klasse beschäftigen sich die Schüler beispielsweise mit bestimmten und unbestimmten Artikeln, den Schulsachen und sie lernen sich vorzustellen. Themen der 11. Klasse sind z.B. Verben im Akkusativ, Verbkonjugationen von brauchen, haben, suchen und sehen und der Stundenplan. In der 12. Klasse geht es im Deutsch Unterricht z.B. um das Beschreiben der eigenen Kleidung und die Verwendung von Adjektiven (z.B. ich trage einen schwarzen Rock). Im Rahmen der mündlichen Abiturprüfung in Deutsch müssen sich die 12. Klässler vorstellen können (vollständiger Name, Rufname, Wohnort, Hobby, Sprachen, Telefonnummer) und in Gruppenarbeit ein kleines Rollenspiel zu einem bestimmten Thema (z.B. Arztbesuch, Ferienplanung, Einkaufen) vorführen. Einige Gruppen wurden richtig kreativ bei ihrem kleinen Rollenspiel, tauchten in passendem Kostüm und mit Requisiten auf und ließen sich witzige Storys einfallen! Das hat uns für eine Woche sehr entertained! 😀

Unterrichtet werden die Schüler von den beiden Deutschlehrern Herr Iwan und Herr Pras. In den letzten drei Monaten durfte ich viel von den beiden im Deutschunterricht lernen. Nicht nur kreative Methoden, sondern auch viel über die deutsche Grammatik. Die beiden sind super interessiert an der deutschen Sprache und Kultur und freuen sich über jegliche Tipps zu deutscher Musik, deutschen Filmen und Serien, Bildern und Erzählungen über das Leben aus Deutschland! Pras ist mittlerweile Profi in Tschüss-Wortspielen zur Verabschiedung (z.B. Bis Spätersilie, Tschüssigkeiten oder Tschüsseldorf). Beiden ist es ein Herzensanliegen, dass du eine gute Zeit im Praktikum hast, sie sind immer für dich da und stehen mit Rat und Tat zur Seite.

Neben dem regulären Deutsch Unterricht gibt es auch eine Deutsch AG, die als extracurriculares Angebot besucht werden kann und den Schülern die Möglichkeit bietet, das Goethe-Deutsch-Zertifikat A1 und A2 zu erwerben. Obwohl auch die regulären Deutsch Stunden Spaß machen, sind die Stunden mit den beiden Deutsch AGs A1 und A2 unsere Sternstunden! Die Schüler, die die AG besuchen, sind super interessiert an Informationen über Deutschland, freuen sich besonders über Austausch mit uns und lassen sich nicht so schnell von der Komplexität der deutschen Sprache unterkriegen. 🙂 Schon einige Male haben wir uns mit ein paar Schülern der Deutsch AG A2 zwei Stunden nach dem eigentlichen Unterricht verquatscht und echt interessante Unterhaltungen geführt. Mit drei der Schüler haben wir in den letzten Wochen auch Zeit in unserer Freizeit verbringen dürfen. Zum Beispiel haben wir uns zum Martabak (ein sehr süßes Gebäck) essen getroffen, einen Ausflug zum Strand und in ein kleines Dorf in der Nähe von Semarang gemacht. Die Unternehmungen mit den Schülern gehören definitiv zu unseren Highlights! Für das kommende Wochenende planen wir ein kleines Deutsch-Camp, für das wir zusammen mit Schülern der beiden AGS und den Deutschlehrern für eine Nacht zum De Britto Campus II (eine Art Tagungsort) fahren. Dort wollen wir deutsche Lieder singen, Kartenspiele spielen, deutsches Essen kochen und verspeisen und am Samstag ein Geländespiel mit Lernspielen zur Vorbereitung auf die A2 Prüfung spielen. Wir freuen uns schon! (Aus Sicht der Schule ist es okay, sich mit den Schülern auch in der Freizeit zu treffen. Trotzdem würde ich empfehlen, bei Iwan nachzufragen, ob das geplante Treffen mit den Schülern, das Vorhaben und der Treffpunkt in Ordnung ist. :))

Beim Deutschcamp haben wir zum Abendessen gemeinsam Kartoffelsalat zubereitet. 🙂

Die Schulgemeinschaft

„Hati saya ada di De Britto“. Auf Deutsch bedeutet dieser Satz „Mein Herz gehört De Britto“ und bringt die große Begeisterung, die ich für die Schule hege, auf den Punkt. Bereits in der ersten Schulwoche haben die Lehrer:innen und Schüler sowie weitere Mitarbeiter:innen (z.B. die Security, die Frauen aus der Kantine, die Priester) mein Herz erobert. Jetzt nach 3 Monaten habe ich die Schule und ihre Mitglieder so in mein Herz geschlossen, dass ich mir kaum vorstellen kann, diese bald nicht mehr jeden Tag sehen zu können. Die Herzlichkeit, die Wärme, das Interesse und Freude sowie die Hilfsbereitschaft, die ich von allen Seiten seit Tag eins erfahren durfte, habe ich in dieser Form noch nie erlebt. Dafür bin ich von ganzen Herzen dankbar!

Meinem Eindruck nach setzen sich viele der Lehrkräfte mit viel Engagement und Motivation für ihre Schüler und ihre Schule ein. Fast jeder Lehrer hat auch außercurriculare Aufgaben (z.B. Internationale Kooperationen, Organisation von einer großen Osterfeier für alle Lehrer:innen und deren Familien). Ich habe das Gefühl, dass viele Lehrer hier große Bereitschaft zeigen „die extra Meile zu gehen“, um die Schule und die Schüler voranzubringen. Die Stimmung im Lehrerzimmer ist sehr positiv, es wird zusammen gegessen, gequatscht und viel gelacht! Einige Lehrer sind untereinander befreundet und treffen sich auch privat, was zu einem sehr angenehmen Klima beiträgt. Grundsätzlich habe ich die Lehrer sehr wohlwollend gegenüber ihren Schülern erlebt. Häufig sieht man Schüler im Lehrerzimmer, die ihre Lehrer für Gespräche aufsuchen.

Grundsätzlich sind die Schüler der De Britto Schule ähnlich wie Schüler an deutschen Schulen, also 15 bis 18 jährige Jugendliche, von denen manche mehr motiviert sind, und manche weniger. Was sie meiner Meinung nach jedoch von deutschen Schülern unterscheidet, ist ihr deutlich spürbarer Stolz das SMA Kolese De Britto besuchen zu dürfen und Teil der De Britto Community zu sein. Dieser Stolz und auch das starke Gemeinschaftsgefühl der Jungs ist in vielen Details zu spüren oder zu sehen: Viele Schüler tragen auch an Nicht-Schuluniform-Tagen vielfältigen Merch der De Britto Schule, haben Aufkleber auf ihren Laptops/Handys, Aufnäher auf ihren Rucksäcken,… . Wird die De Britto Hymne gesungen bebt das ganze Schulhaus von den Stimmen der Jungs. Mit hoch erhobenem Haupt, sicherer Stimme und nach oben gestreckter Faust wird voller Stolz gemeinsam gesungen (https://www.youtube.com/watch?v=Q7pp5wcpEtQ&list=RDQ7pp5wcpEtQ&start_radio=1). Ein Gänsehautmoment für uns. Viele der Jungs engagieren sich mit großem Aufwand im Schulleben, z.B. im Rahmen der Campus Ministry, die Schulevents organisieren und durchführen oder im Rahmen des Präsidiums (evtl. vergleichbar mit einer SMV). Dabei wird den Schülern viel Verantwortung übertragen, welche sie meiner Meinung nach höchst professionell ausüben! Die Schüler des Campus Ministry und des Präsdiums haben mich wirklich in vielen Momenten beeindruckt.

Fazit: Ich bin ein riesengroßer Fan von De Britto, von den Schülern, den Lehrern und den anderen Mitarbeitern! Und natürlich auch von Yogyakarta!