Von der Hauptstraße führt eine kleine Straße ab, die von vielen grünen Bäumen und Bananenpflanzen gesäumt ist. Wenn man genau hinschaut, kann man auch ein paar Mangos sehen. Das Auto wackelt, und schon sieht man das Schulgebäude. Einfach pure Idylle. Das hier ist jedoch kein Bericht über die traumhafte Landschaft oder das schöne Schulgebäude mit dem großen Sportplatz und die süßen Babytiere, die einen sofort begrüßen. Es ist ein Bericht über das Deutschlernen in Ghana.
Direkt nach meiner Ankunft fragt mich die aus Deutschland gebürtige Schulgründerin, ob ich gerne ihr Deutschklassenzimmer sehen möchte. Ich bin etwas verwundert. Ein ganzes Klassenzimmer nur für den Deutschunterricht? Und das in Ghana, so weit draußen auf dem Land? Ich bin gespannt, was mich erwartet. Die Tür geht auf und ich sehe mehrere runde Tische, bequeme Stühle und einen Sitzkreis. Aber das ist eigentlich nicht das Interessante, denn überall ist Material. Jedes erdenkliche Buch zum Deutschlernen inklusive des passenden Arbeitsbuches. Kisten mit Materialien, zum Beispiel zusammengestellt aus Ideen vom Goethe-Institut oder einer DaF- und DaZ- Bloggerin von Instagram.
Die Schulgründerin muss sehr viel Mühe und Zeit investiert haben, um all das Material zusam-menzutragen. Später erzählt sie, dass es häufig sehr lange dauert, bis die bestellten Bücher ankommen. Daher steckt in diesem Zimmer nochmals deutlich mehr Fleißarbeit, als es zum Beispiel in einer deutschen Schule der Fall wäre, wobei es gleichzeitig besser ausgerüstet ist als an mancher deutschen Schule. Zimmer hin oder her. Am interessantesten ist nach wie vor der richtige Deutschunterricht und ich bin sehr gespannt, was die Kinder schon alles können.
In meiner ersten Stunde werden die besseren und die schlechteren Schüler*innen der ersten Klasse ge-meinsam unterrichtet. Die Schulgründerin stimmt das Lied „Was müssen das für Bäume sein” an. Die Kinder machen dazu Bewegungen und spielen das Lied so nach. Wörter werden durch Bewegungen und selbst gezeichnete Bilder an der Tafel erklärt. Im Anschluss erfahre ich, dass die Stunde improvisiert war und die Kinder eigentlich nicht in so einer großen Gruppe gemeinsam unterrichtet werden. Vielleicht liegt es aber auch an den zahlreichen Fortbildungen, an denen die Schulgründerin teilnimmt, dass die Stunde trotzdem so gut gelungen ist.
An der Schule werden in enger Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut auch Deutschprüfungen geschrieben. Das Ziel besteht darin, dass die Kinder am Ende ihrer Schullaufbahn die B1-Prüfung gemäß dem europäischen Referenzrahmen absolvieren können. Auch Stipendien, die es ermöglichen, einige Wochen in Deutschland zu verbringen, werden an ältere Schüler*innen vergeben. Die Schüler*innen sind momentan aber noch ein bisschen zu jung. Die Schule erweitert sich immer um eine Klassenstufe, und dann können die ersten Deutschlernenden nach Deutschland fliegen. Somit fliegen nicht nur die Praktikant*innen nach Ghana, sondern es kommen auch ein paar Schüler* innen nach Deutschland, was sicherlich zum Austausch anregt.


