Namibia

Erste Eindrücke vom Dorf Okondjatu

Angekommen im kleinen Dorf Okondjatu circa 200 Kilometer nordöstlich von Windhoek wurden wir nach einer langen aber doch sehr angenehmen Reise sofort herzlich Willkommen geheißen. Die zweit jüngste Tochter Mercy und Mavis, die Mutter, halfen uns sofort mit unserem Gepäck und zeigten uns das Zimmer. Die jüngste Tochter Praise lernten wir bereits auf der Fahrt kennen, sowie Engelberd, den Vater, mit dem wir während der Anreise per Whatsapp in Kontakt standen und der den Transport von Windhoek nach Okondjatu für uns zusammen mit ihnen organisierte. Da wir spät am Abend erst ankamen, blieb nur Zeit für kurzes Geplauder und die wichtigsten organisatorischen Fragen. 

Am nächsten Morgen erwartete uns bereits der erste Gottesdienst. Wir hatten natürlich ein paar Vorstellungen dazu und waren gespannt, wie die Kirche aussieht. Wir fragten bei Mavis nach, ob wir denn etwas beachten müssten damit wir nicht versehentlich gleich beim ersten Treffen mit den Dorfbewohnern einen schlechten Eindruck hinterlassen. Sie meinte dazu nur: „Oh no, there is no wrong, if you want to clap, you clap, if you want to dance, you dance and if you want to sing, you sing.“ Und genauso funktioniert der Gottesdienst hier auch. Für die knapp zwei Stunden jeden Sonntag lebt der Glaube hier wortwörtlich. Es gibt wenige Regeln, jeder lebt seine Gebete und das Singen der Lieder ganz unterschiedlich aus. Obwohl nicht mehr als 15 Erwachsene an diesem Tag in der Kirche waren, entstand ein Gesang der Gänsehaut verursachen kann. So lebendig und glücklich habe ich selten einen Chor erlebt, der auch so intuitiv und willkürlich, natürlich ohne Notenblätter, funktioniert. Anschließend zeigte uns Mercy noch die Sunday School, wo die Kinder zusammen singen und Verschiedenes lernen können.

Zuhause angekommen nahmen wir uns erst etwas Zeit, um das Zimmer zu begutachten und uns mit dem Alltagsleben der Matuzee‘s vertraut zu machen. Uns wurde schnell bewusst, dass wir im Vergleich zum restlichen Dorf in einer Villa leben. Unser Zimmer hat zwar zum Beispiel kein Badlicht, keinen Duschkopf und auch in der Küche gibt es kein Spülbecken, sondern eine Wanne zum Abspülen. Jedoch stellt man sich so schnell darauf um, dass man es selbst garnicht bemerkt und man erkennt, dass man manche Dinge auch wirklich nicht zum Leben braucht. Das Dorf besteht eigentlich nur aus einfachen, kleinen Steinhäusern mit wahrscheinlich einem oder zwei Räumen und auch die typischen Wellblechhütten mit einer Feuerstelle zum Kochen sieht man hier öfter. Es gibt einen kleinen Laden im Dorf, wo man sich Wasser, Klopapier, Hygiene- und Putzzeug, aber auch Dosenessen und andere haltbare Lebensmittel kaufen kann. Frisches Obst und Gemüse gibt es dort nicht, dafür fährt man für den Wocheneinkauf in eine nächst größere Stadt. 

Was uns auch direkt auffiel, waren die Menschen, welche uns anscheinend sehr interessant fanden und deshalb gerne länger zu uns schauten als wir es von zuhause gewohnt waren. Wenn man ihnen dann aber ein kurzes „Moro“ (=Guten Morgen) oder ein Winken schenkt, merkt man, dass sie alle sehr nett und herzlich sind. Da nur sehr selten weiße Menschen ins Dorf kommen, ist es nur verständlich, dass sie etwas irritiert schauen und sich zuerst wundern. 

Was fest steht, das Leben im Dorf entschleunigt ab Tag eins. Obwohl wir die erste Woche immer gegen 8 Uhr aufgestanden sind, vergingen die Tage wie im Flug. Man spürt keine Hektik, keinen Stress und kann kleine Dinge einfach mal genießen, wie zum Beispiel den Nachbarskindern beim Ball spielen zuzuschauen, mit dem Welpen der Familie zu spielen und die Sonne zu genießen. Der Tag endet mit einem wunderschönen Sonnenuntergang und einem Sternenhimmel, den man mal ganz ohne Lichtverschmutzung bestaunen darf.