Ich bin gerade noch in Polen. Um genauer zu sein in Olsztyn. Ein süßes Städtchen in den Masuren. Die Schule, an der ich bin, liegt im Stadtteil Dajtki, welches nah am See Ukiel liegt.
Zwar ist das Gebäude nicht mehr das neuste, dafür werde ich jeden morgen von der Pförtnerin mit einem freundlichen „Dzien dobry“ begrüßt. Der Schuleingang ist hier im Keller. Meist mit einem Lächeln im Gesicht geht es für mich die Treppen hoch und werde von einzelnen Schülerinnen und Schülern, die auch Deutsch-Unterricht haben, mit „Guten Morgen“ begrüßt. Im obersten Stock angelangt geht es für mich ins Klassenzimmer. Erst einmal Fenster öffnen und kurz entspannen. Gleich kommt die erste Klasse herein. An dieser Schule, einer Grundschule von der Klasse eins bis acht, hat jede Lehrkraft ein eigenes Klassenzimmer und die Schülerinnen und Schüler gehen von Stunde zu Stunde in ein anderes Zimmer.
Im Klassenzimmer, in dem ich die meiste Zeit verbacht habe, ist das der Deutschlehrerin. Ein Vorteil für die Fremdsprachenlehrkräfte hier ist es, dass jeweils nur bis zu 20 Kinder im Raum sind. D.h. die meisten Klassen werden aufgeteilt. So ist das auch in Sport. Sport ist auch das besondere Profil dieser Schule. So sind immer die A-Klassen Sportklassen. Diese Klassen haben besonders viel Energie, auch im Klassenzimmer :), und spielen sehr gut Fußball. Manch einer schafft es hier bereits im jungen Alter von Profimannschaften angeheuert zu werden. Die Schule hat auch einen großen Sportplatz mit Fußballfeld, Basketballfeld, Tennisfeld und sogar eine Fläche fürs Inliner- und Rollschuhfahren.
Kurz bevor der Unterricht beginnt, stellen sich die Schülerinnen und Schüler in eine Reihe vor der Tür auf und werden dann von der Lehrkraft in den Raum gelassen. Zunächst bleiben alle stehen und erst nach dem Guten Morgen oder Guten Tag setzt sich die ganze Klasse. Dann geht’s los mit dem Unterricht. Die Lehrkräfte werden hier gesiezt, aber mit dem Vornamen angesprochen. Der Unterricht läfut eigentlich ähnlich wie in Deutschland ab, nur gibt es hier wenige Möglichkeiten dazu, dass die Schülerinnen und Schüler selbst digital arbeiten können. Tablets gibt es leider nicht. Aber eine Digitaltafel ist vorhanden.
Ich konnte hier viel unterrichten und als Grundschullehramsstudentin, die eigentlich kleinere Kinder gewohnt ist, wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Jugendlichen v.a. der siebten und achten Klasse machen. Denn in diesen Klassenstufen beginnt der Deutsch-Unterricht. Für deutsche Minderheiten gibt es schon in den ersten Klassenstufen Deutschunterricht. Diese nehmen ein paar Kinder wahr. Und wer in der siebten und achten Klasse sehr motiviert ist, besucht die Deutsch-AG, in der man auf die Olympiade in Deutsch vorbereitet wird. Olympiaden gibt es fast in jedem Fach. Das sind eigentlich Tests, die im November geschrieben werden. Besteht man mit mind. 80 Prozent, kommt man eine Runde weiter und schreibt nochmal einen Test. Besteht man auch diesen sehr gut, entfällt eine der Abschlussprüfungen nach der achten Klassen und sie haben freie Wahl bei den Oberschulen. Diese gibt es entweder mit dem „Abitur“, welche einen Hochschulzugang beinhaltet oder kombiniert mit einer Berufsausbildung. Es gibt auch eine Kombination der beiden.
Besonders wertvoll war für mich aber auch der Umgang mit Kindern, die nicht die selbe Sprache sprechen, wie ich. Man gewinnt ein Verständnis dafür, wie es für manchen Schülerinnen und Schüler wohl sein mag, wenn sie erst die Sprache lernen. Daher war die Kommunikation manchmal sehr interessant oder es wurde auch mal auf Englisch kommuniziert. Aber es hat funktioniert und den Kindern war meist klar, was ich meine. Auch ich habe viel sprachlich dazugelernt und konnte schnell erkennen, ob nun ein Kind, wenn es auch Polnisch sprach, etwas zum Unterricht sagte oder etwas davon unabhängiges. Spannenderweise verrät die Art, wie man spricht, schon viel, ohne alle Worte zu verstehen.
Die Erfahrungen und vielen Begegnungen mit den Kindern werden mir immer in Erinnerung bleiben und ich werden von diesen wertvollen Erfahrungen für meine spätere Tätigkeit viel ziehen können.

