Allgemein,  Indonesien

Warum man seine Befürchtungen getrost im Deutschland zurücklassen kann

Hand aufs Herz: Bevor ich nach Indonesien geflogen bin, hatte ich ein paar Befürchtungen, obwohl ich mich gleichzeitig natürlich sehr gefreut habe. Sprache, Essen, Hitze, Verkehr – alles irgendwie abenteuerlich, aber auch ein bisschen beängstigend. Im letzten Monat durfte ich täglich feststellen wie unbegründet meine Sorgen waren und wurde on positiver Weise eines Besseren belehrt…

 1. Das mit der Verständigung…

Eine Sorge war die Sprache. Englisch? Kein Problem – mit den Lehrkräften und Schülern läuft die Verständigung von ausreichend bis richtig gut. Und Indonesisch? Ich dachte, das wird Ewigkeiten dauern, tatsächlich ist die Grammatik aber (im Vergleich zum Deutschen) erstaunlich simpel, und die wichtigsten Alltagsbegriffe hat man nach wenigen Tagen drauf. Außerhalb der Schule läuft es auf Englisch, Indonesisch, Javanisch, Google Translate oder einfach mit Händen und Füßen. Klingt vielleicht dramatisch, ist in der Realität meistens einfach nur herzlich komisch. Irgendwie findet man immer einen Weg – und manchmal ist das Lachen danach das Beste an der ganzen Begegnung. 

2. Das Essen

Ich bin was Essen angeht echt ziemlich unproblematisch, trotzdem wusste ich, dass es zumindest eine Umstellung sein wird: viel Frittiertes, viel Reis, völlig unbekannte Gerichte und eine Küche, die sich von allem, was ich kannte, grundlegend unterschied. Aber was soll ich sagen – es ist fantastisch. Es gibt viele frische Früchte tauchen auf, die man zuhause so einfach nicht bekommt, und wer ab und zu einen Moment Heimweh am Gaumen verspürt, findet in Yogyakarta sogar eine exzellente Pizzeria namens Nanamia sowie die Möglichkeit, echtes deutsches Brot zu kaufen neben vielen verschiedenen anderen asiatischen Küchen. Zum Frühstück im Homestay kann man dann doch auf gewohnte Haferflocken und Toast zurückgreifen – man ist also wirklich nicht verloren. Für Vegetarier ist die Lage ebenfalls okay, denn vieles lässt sich problemlos mit Ei und ohne Fleisch bestellen, und die Preise sind so günstig, dass man sich locker jeden Tag spontan irgendwo hinsetzen und etwas Neues ausprobieren kann. Meine Empfehlungen für den Anfang sind „Nasi Goreng“ (gebratener Reis), „Lotek“ (Gemüse mit Erdnussoße) und frischgepresste Säfte. Und trotz anfangs gewöhnungsbedürftig aussehender Warungs (kleines privates Restaurant) – bisher keine einzige Lebensmittelvergiftung. klopf auf Holz

Nasi goreng

3. Neue Menschen, neue Bekanntschaften?

Anschluss finden ist manchmal total einfach und manchmal total schwer. Ich hatte daher ein paar Befürchtungen so in einer fremden Kultur, einer fremden Sprache, weit weg von allem Vertrauten. Diese Sorge hat sich als völlig unbegründet erwiesen. Die Menschen hier sind sehr offen und freundlich, sowohl in der Schule als auch im Homestay wurde ich von Anfang an herzlich aufgenommen, und besonders die beiden Deutschlehrer sind echte Glückstreffer – herzlich, hilfsbereit und immer ansprechbar. Die Schüler selbst sind respektvoll und zeigen echtes Interesse, stellen Fragen und sind offen für Gespräche, die weit über den Unterricht hinausgehen. Wer also offen auf die Menschen zugeht, wird hier sehr schnell merken, dass Einsamkeit kein realistisches Szenario ist.

4. Schule aus, und jetzt?

Yogyakarta ist alles andere als langweilig, und wer sich Sorgen gemacht hat, die Zeit nicht gefüllt zu bekommen, wird schnell eines Besseren belehrt. Die Stadt bietet Tempel, Museen und eine lebhafte Café-Kultur, die zum Unterhalten ebenso einlädt wir zum entspannten Lesen oder Reisetagebuch schreiben. Dazu kommen noch die vielen Möglichkeiten innerhalb der Schule – AGs, gemeinsame Unternehmungen mit Schülern, Lehrern oder sogar den Priestern der Schule. Wer neugierig und offen ist, findet hier immer jemanden, der Lust hat, etwas zusammen zu erleben, und immer etwas, das es wert ist, entdeckt zu werden. Wir sind tatsächlich sogar drei Praktikantinnen aus Deutschland hier, da wird es erst recht nie langweilig.

5. Unterrichten

Ich hatte vor diesem Praktikum noch keinerlei Erfahrung mit 10., 11. und 12. Klässlern, erst recht nicht mit einer reinen Jungenschule. Jedoch wird man hier so unterstützt und auch von den Schüler angenommen, dass die Umstellung kein Problem ist. Auffällig ist eher, dass man manchmal selbst noch mal tief in die eigenen Deutschkenntnisse reinschauen muss, was das Ganze auf eine sehr sympathische Art in beide Richtungen lehrreich macht. Denn so manche Deutsch als Fremdsprache Grammatikregel ist für uns zwar normal, aber warum das so ist… Eigene Ideen einzubringen ist auch gut möglich und macht viel Spaß z. B. haben wir ein Lied angehört und übersetzt.

6. Das Klima

Ich bin echt nicht so das Sommer-Mensch und hier ist es heiß und schwül, ja, das stimmt. Aber der menschliche Körper ist anpassungsfähiger als man denkt, und nach ein paar Tagen fühlt sich die Temperatur längst nicht mehr so erdrückend an wie am Anfang. Das Geheimnis liegt in ein paar Gewohnheiten: viel trinken, öfter duschen als man es von zuhause kennt, Morgen- und Abendstunden nutzen und das Glück genießen, dass wirklich jeder Innenraum mit einer Klimaanlage ausgestattet ist.

7. Der Verkehr bzw. das Verkehrschaos

Das Straßenbild in Yogyakarta ist beim ersten Anblick tatsächlich gewöhnungsbedürftig, und das Überqueren einer belebten Straße fühlt sich anfangs wie ein Abenteuer für sich an. Aber man lernt schnell: Mit Grab oder Gojek, den lokalen Ride-Hailing-Apps, kommt man per Roller oder Auto total unkompliziert und günstig. Ich hatte vorher kaum Motorroller-Mitfahr-Erfahrung, aber die erlangt man recht schnell und das anfängliche Festklammern wird weniger. Für Fernstrecken kann man die Bahn nutzen und erlebt eine echte Überraschung – sie ist pünktlich und bequem , ein echter Kontrast zu deutschen Verhältnissen. Das Straßenüberqueren lernt man auch mit der Zeit, und wenn man mal nicht weiterkommt, findet sich immer freundlich irgendwer, der hilft.

Fazit: Macht es, traut euch! Es ist eine einzigartige Chance und Erfahrung!