Porto,  Portugal

Tchau, Portugal!

Nun ist bald schon mein Praktikum vorbei und der Abschied fällt mir wirklich schwer, auch wenn ich jetzt schon weiß, dass ich sicher bald wieder hierher reisen werde. Denn auch wenn ich schon wirklich viel gesehen habe und nach meinem Praktikum auch noch an die Algarve fahren werde, habe ich immer noch so viele schöne Orte auf meiner Liste, die es in diesem Land einfach zu zahlreich gibt.

Ich kann mich noch so gut daran erinnern, wie ich an meinem zweiten Tag hier, zum ersten Mal nach Porto gefahren und an gefühlt jedem zweiten Haus stehen geblieben bin, um ein Foto von den wunderschönen Fassaden zu machen, mir im Jardin do Morro den Sonnenuntergang angeschaut habe und ich so dankbar war, hier zwei Monate verbringen zu dürfen. Dieses Gefühl stellt sich jetzt auch wieder bei mir ein, wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke – Dankbarkeit. Ich bin dankbar dafür, dass ich so viele schöne Dinge hier erleben und sehen durfte, dass mich alle Leute hier – inklusive der Kinder an der Schule – offen empfangen haben und dass ich für zwei Monate in eine andere Kultur eintauchen konnte. An manche Dinge musste ich mich erst gewöhnen wie die zum Teil starke Lautstärke im Klassenzimmer, die mangelnde Planbarkeit oder dass man nicht selbstverständlich über den Zebrastreifen gehen kann, weil doch immer wieder Autos einfach darüber rasen. Dagegen konnte ich mich in anderen Dingen sofort wiederfinden wie in der Gelassenheit (und oftmals Unpünktlichkeit) der Portugies*innen, deren späten Tagesrhythmus und deren Liebe zu Kaffee. Als Vegetarierin konnte ich zwar nicht die traditionellen Fleisch- und Fischgerichte essen – abgesehen von einer vegetarischen Francesinha-Variante, die zwar sicherlich anders als das Original aber auch sehr lecker geschmeckt hat – jedoch konnte ich mich durch all die köstlichen Gebäckstücke durchprobieren, wobei die ofenwarmen Pasteis de Nata der Konditorei Manteigaria schon mein eindeutiger Favorit sind.

Auch habe ich sehr viel über das Schulsystem hier lernen dürfen wie, dass es nach einem Gesamtschulprinzip aufgebaut ist, alle Schüler*innen bis zur 12. Klasse in die Schule gehen müssen und sie sich in den letzten drei Jahren einen Schwerpunkt auswählen, in dem sie dann auf die Kurse an der Uni vorbereitet werden. Dadurch müssen sie schon Ende der 9. Klasse entscheiden, ob sie später eher einen Beruf im Bereich Sprachen/Geisteswissenschaften oder Wissenschaft/Technologie etc. ausüben möchten. Schüler*innen, die nicht anstreben, nach der Schule auf eine Universität zu gehen, können in den letzten Schuljahren auch spezielle z.B. handwerkliche Kurse belegen und sammeln im 3. Jahr auch praktische Erfahrung an einer mit der Schule kooperierenden Firma.

Außerdem konnte ich durch mein Praktikum einen Einblick in eine jahrgangsgemischte Grundschulklasse erlangen, in der ich auch viele Ideen für einen handlungsorientierten Unterricht kennenlernen konnte. Denn hier wurde immer großer Wert darauf gelegt, dass die Kinder den Unterrichtsgegenstand auch wirklich selbst erfahren können. Besonders in der weiterführenden Schule werden auch viele digitale Gestaltungsmöglichkeiten von Unterricht genutzt, welche auch sichtlich die Motivation der Schüler*innen steigerten, wobei allerdings auch auffällig war, wie viele Schüler*innen in dieser Altersstufe versuchten, einfach die KI-Antworten von ihren Handys abzuschreiben – selbst bei Aufgaben, die sie nur als Übung machen sollten. 

Außerhalb der Schule hatte ich auch die Chance, noch sehr viele Dinge erleben und Orte besichtigen zu können. So war ich mit einer Praktikantin der Deutschen Schule, die mittlerweile zu einer guten Freundin geworden ist, in Lissabon und den umliegenden Orten Cascais, Sintra und Cabo da Roca, die alle absolut einen Besuch wert sind. Wir sind außerdem nach Braga, einer der ältesten Städte Portugals, gefahren, haben am Strand in Vila do Conde und in Espinho die Sonne genossen, hatten ein Portwein-Tasting mit Fado-Show in einem Weinkeller in Gaia und haben unsere ersten Surfversuche am Strand von Matosinhos gemacht. Mit meiner Betreuungslehrkraft und ihrem Mann sind wir zudem zusammen nach Amarante und ins Douro-Tal gefahren, eine wunderschöne Landschaft mit Weinbergen, an denen die Trauben für den Portwein wachsen. 

Ich habe meine Zeit hier wirklich sehr genossen. In meiner Gastfamilie habe ich mich total wohlgefühlt und ich werde zuhause extrem vermissen, dass mich kein Hund mehr an der Tür empfängt und keine Katze um meine Beine streift, um gestreichelt zu werden. Als große Musikliebhaberin wird mir auch abgehen, den vielen Straßenmusikern in Ribeira zuzuhören, aber natürlich besonders wird mir fehlen, dass zuhause nicht mehr das Meer nur eine Stunde mit dem Bus entfernt ist. Ich könnte hier noch so viele Dinge nennen, aber das würde jetzt den Rahmen sprengen. Doch wie am Anfang schon gesagt, eins weiß ich sicher: Es wird nicht so viel Zeit vergehen, bis ich wieder in dieses wunderschöne Land zurückkommen werde.

Grundschule Escola Básica de Campelo 1º Ciclo

Lissabon & Cascais

Braga

Vila do Conde

Espinho

Portwein-Tasting mit Fado-Show

Douro-Tal