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Zwischen Ananas und „lekker slaap“

Südafrika, über 9000 Kilometer entfernt von unserem schönen Bayern. Wilde Küsten mit traumhaften Stränden, bezaubernde Landschaften, lebhafte Menschen und ein impulsives Kapstadt. Ungefähr so habe ich mir das südlichste Land Afrikas vorgestellt. Und am 28. März 2022 wurde der Traum dann war. Unser Flugzeug landete kurz vor Sonnenaufgang am Kap und unser Abenteuer konnte beginnen.

Zwei Monate dürfen wir im Rahmen des BLLV Auslandspraktikums nun hier sein und Menschen, die Natur und das südafrikanische Schulsystem kennenlernen. Dieser Blog-Beitrag soll einen Überblick geben, wie das Leben in diesem Land so abläuft, wie Einheimische uns begegnen, was Ananas in jedem Salat zu tun hat und wie es ist in einem südafrikanischen Supermarkt zu stehen. Wer Interesse am Schulalltag und dem USIKO-Projekt hat, kann gerne bei den Blogeinträgen von Theresa oder Kathi vorbeischauen. Wer über Geschichte und Kultur des Landes etwas wissen will, dann ist der Blogeintrag von Johanna zu empfehlen.

Uberfahrten

Handy raus, Uber-App an und Fahrt buchen. So einfach ist hier die Fortbewegung, wenn man kein eigenes Auto hat. Die ersten drei Wochen unseres Aufenthaltes waren wir so unterwegs. Zur Schule, nach Stellenbosch, nach Hause oder einfach zum Strand der False Bay. Schnell kann man ins Gespräch kommen. So erzählt uns Sladge, dass seine Tochter auch an der Idas Valley School ist. Er ist begeistert von Lehrer*innen und Klassengemeinschaft. Phumlani ist ein besonderer Fahrer. Schon mehrmals durften wir seine Gäste sein. Allerdings hat er die Angewohnheit immer das gleiche Lied sehr laut zu hören. Da gibt es keine Diskussion. Canaan gibt uns Tipps, welche Weingüter unbedingt besucht werden müssen, die auch Einheimische präferieren. Er selbst kommt aus einem Township in der Nähe. Der Alltag dort können wir uns gar nicht vorstellen. Wir merken schnell, dass alle Fahrer gerne bereit sind von sich und ihrem Leben zu erzählen. Ihre Gastfreundlichkeit verbietet es ihnen anscheinend nur, einfach so loszureden. Also unbedingt einfach ansprechen!


Auf dem Weg nach “Strand“ zum Strand an der False Bay mit einem Uber.

Ananas muss in den Salat

“Stay safe and look around“ oder “Enjoy your life, you only have one“, beides sagt unsere Gastmutter Shirley sehr oft. Die von Herzen freundliche und hilfbereite Frau ist eine richtige Südafrikanerin. Aufpassen und Genießen, das ist ihr wichtig. Eines ihrer wichtigsten Anliegen, welches sie von ihrer Mutter übernommen hat, ist, dass egal wie viel man besitzt immer genügend Essen im Haus sein muss. Auch kocht sie immer mehr, um zufällig vorbeikommende Verwandte und Freunde zu verpflegen. Auch wir kommen in den Genuss dieser Angewohnheit. Jeden Abend wird uns ein viel zu großes Buffet serviert: Der weltbeste Nudelsalat, Kartoffeln mit Knoblauch, verschiedenste Stews mit Rind und allerlei Gemüse, Spare Ribs, Kartoffelsalat und Chicken in allen Varianten gehören zur Auswahl. Und was nicht vergessen werden darf: In jedem grünen Salat dürfen Ananas Stückchen nicht fehlen. Oliven, Tomaten und Gurken sind optional, aber auf keinen Fall die Ananas. Das haben wir auch bei einem Braai (Südafrikanisches Barbecue) bei einer anderen Gastfamilie erfahren dürfen. Unmengen an Fleisch und der grüne Salat mit Ananas! Ein unbedingtes Muss.

Rinder-Stew gehört auf jeden Fall dazu!

Noch eine kleine Anekdote am Rande: Ich habe am Anfang den Fehler gemacht und gesagt, dass ich kein Vegetarier bin. So bekomme ich jetzt jeden Tag extra Fleisch. Shirley ist gar nicht mehr zu bremsen. Aber wir sind hier ja auch in Südafrika, Fleisch gehört immer dazu. Abend heißt es immer “lekker slaap“, auf Africaans “Schlaf gut“. Ganz unbewusst schaffen unsere Gasteltern es, dass wir doch ein bisschen diese Sprache lernen.

Golfplätze neben Townships

An eines muss ich mich hier erst noch gewöhnen: Die so auffallende Armut neben teurem Luxus. Auf unseren Fahrten können wir das gut beobachten. Ganz alte Pick-Ups transportieren mindestens sechs oder sieben meist People of Colour zu Tagesarbeiten. Die Armut ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Sie fahren jedoch an teuren Villen und edlen Golfplätzen vorbei. Die Ungleichheit ist so auffallend. Schon auf dem Weg vom Flughafen nach Stellenbosch sieht man das Township Khayelitsha. Dieses streckt sich Kilometer weit aus, bestimmt über 15 Minuten brauchen wir, bis wir daran vorbei sind. Sehr gefährlich ist es hier, allein darf man das auf keinen Fall betreten. Grund für die Armut und die dadurch auftretende Gefahr durch Überfälle sei die Arbeitslosigkeit, verursacht durch die südafrikanische Regierung. Einige Einheimische berichten uns darüber. Interessant ist das Gespräch mit einem Bekannten eines Freundes. Er kommt aus Simbabwe, hat an der Universität Agrarwissenschaften studiert und lebt in Khayelitsha. Er erzählt, dass nicht nur Arbeitslose dort wohnen. Er selbst ist bestes Beispiel dafür. Gefährlich und unheimlich sei es trotzdem. Er schaut sich nach etwas anderem um.

Das Unbekannte muss gekauft werden

Seit geraumer Zeit habe ich eine neue Tradition eingeführt, wenn ich in ein unbekanntes Land reise. Bald nach der Ankunft gehe ich in einen Supermarkt und kaufe die Lebensmittel ein, die ich nicht kenne, die mich aber interessieren. Auch hier in Südafrika habe ich das gemacht: Ananassaft, eine südafrikanische Bratwurst (ganz anders als in Deutschand), Biltong (getrocknetes Fleisch), exotische Früchte und Ginger Beer waren Teile meiner Ausbeute. Während Ananassaft mich nicht übezeugt hat, bin ich hier mit frischen Früchten im Obsthimmel. Exotisches und Bekanntes in unglaublicher Qualität und Frische, besonders Trauben sind hier perfekt.

Alles in allem fallen mir Ähnlichkeiten zu amerikanischen Supermärkten auf. Große Stände mit frischen Säften, Theken mit warmen Mahlzeiten und eine gigantische Fleischauswahl. Da die Preise umgerechnet nicht die Welt kosten, ist alles im Student*innenbudget. Der Fleischkonsum ist jedoch nicht zu unterschätzen. Für mich ist das fast zu viel, zum Glück gibt es so viel Obst. Hier trotzdem ein paar Sachen, die ihr bei einem Südafrika Trip unbedingt probieren musst:

  • Samosas (Teigtaschen gefüllt mit allem, was man finden kann)
  • Biltong (luftgetrocknetes Fleisch)
  • Chutneys
  • Currys
  • Boerewurs (Grillwurst für das Braai)
  • Bobotie (Hackauflauf)

Südafrika ist ein so wunderbares vielseitiges Land. Kultur und Menschen begrüßen uns mit solch einer Herzlichkeit. Auch vor dem Hintergrund der großen Armut ist das Leben hier so interessant und regt nochmal zum Nachdenken an, wie gut wir es in Deutschland haben. Eine größere Wertschätzung für die kleinen Dinge ist danach garantiert. Probiert es aus! Bewerbt euch beim BLLV, packt eure Koffer und fliegt hier ans Kap! Es lohnt sich auf jeden Fall!

Jetzt fällt mir noch ein Tipp ein: Stellenbosch liegt in der Weinregion und ist bekannt für seine Winefarms. Über 40 gibt es in nächster Umgebung zu unserem Aufenthaltsort. Probiert unbedingt die Wine-Tastings aus, die sehr preiswert zu buchen sind. Wunderbare Landschaften inmitten von Weinbergen und leckere Weine sind vorprogrammiert.

Weinfarm inmitten wunderschöner Landschaft.