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Über kalte Wasser in Ghana

Der berühmte „yellow bus“

Ghana als meinen ersten Ort für einen Auslandsaufenthalt innerhalb des Lehramtsstudiums auszuwählen war unbewusst die Entscheidung zum kältesten Wasser, in das ich jemals gesprungen bin – ganz unabhängig von der Temperatur des Wassers, das aus der Dusche kommt.

Seit Mitte September nenne ich nun schon Sunyani, genauer Baakoniaba, mein Zuhause (auf Zeit). Hier unterstütze ich als zweite Volunteerin das Gründer-Ehepaar des Bezaleel Educational Complex, Pia & Emmanuel Yeboah. Zu unserer Schule gehen derzeit knapp 100 Schülerinnen und Schüler von der Creche (Krippe) über KG (Kindergarten) bis hin zur Primary 3 (3. Klasse). Im Gegensatz zu den public schools des Landes, wo oft bis zu 60 Kinder in einem Klassenraum beschult werden, findet bei uns das Prinzip kleiner Klassen seinen Platz. Die Ideen sind zahlreich und die Pläne bereits gemacht, dennoch, da es ein recht neues Projekt ist und die Covid-Pandemie dazwischen kam, muss ein step nach dem anderen gegangen werden.

Im neu gebauten Schulgebäude fehlt zum Beispiel zwar noch die Decke, doch der Elan und die Freude am Lernen ist dadurch umso besser akustisch vertreten, sobald man sich dem Schulgelände nähert.

Direkt bei meiner Ankunft in Ghana erfuhr ich, dass ich recht schnell recht viel Verantwortung übertragen bekomme, denn aus mehreren Gründen ergab sich die Situation, dass ich die dritte Klasse übernehmen durfte und zudem quasi als Assistenz der headmistress der Schule fungieren sollte. Daneben ergaben sich auch direkt im Privaten einige Änderungen, weshalb ich quasi „über Nacht“ Klassenleitung, Schulleitung und Ersatzmama für Hunde (+ Babys) und die Kinder meiner Gastfamilie wurde.

Die Energie, die ich mir für dieses Projekt quasi aufgehoben hatte, kam hier also direkt zum Einsatz. Neben den Dingen, die zuhause erledigt werden müssen, möchte ich natürlich auch einen guten Unterricht abliefern, um den Kindern (jetzt) meiner Klasse eine gute Zeit bereiten zu können.

Weil in der Schule so viele Dinge gleichzeitig passieren, die meine Aufmerksamkeit verlangen, ist es hier vor Ort umso wichtiger, den Unterricht ausreichend vorzubereiten, damit auch, wenn auf dem Gang der Schule immer mindestens 5 Kinder an den Händen hängen und das Büro von allen überrannt wird, weil Hefte gebraucht, Stifte gespitzt oder Schulgebühren bezahlt werden müssen.

Da die Kids in ihren vorherigen Schulen „guten Unterricht“, so wie wir ihn in Deutschland kennenlernen, kaum erlebt haben, sind sie immer wieder erstaunt über die Methoden und kleinen Spiele wie Mathe-Bingo, Hangman, Gruppenarbeiten oder die einfache Aufforderung, sich gegenseitig aufzurufen. Dieser „gute Unterricht“ ist absolut fern von Kriterienkatalogen bekannter Autoren, aber sobald die erste Skepsis überwunden und die Regeln erklärt sind, ist die Aufmerksamkeit trotz Lautstärke im Hintergrund und überschaubaren Materialien doch recht gebündelt auf dem „guten Unterricht“.

Und so ist der Aufenthalt hier zwar wie eingangs erwähnt das kälteste, aber auch definitiv das erfrischendste und bereicherndste Wasser, in das ich jemals gesprungen bin und in dem ich Schwimmen neu gelernt habe. <3

Mittwochs ist „worship-time“