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Einblick in den Lehreralltag in De Britto, Yogyakarta

Alltag klingt zunächst immer so nach Routine, langweilig und wenig abwechslungsreich. Hier habe ich gelernt, dass Alltag auch recht spannend sein kann. Deshalb soll dieser Beitrag einen kleinen Einblick in das Schulleben und den Alltag als Lehrerin in De Britto geben.

Tag für Tag

Jeden Morgen beginnt der Schultag mit einem Gebet und dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne. Um 12 Uhr ein weiteres Gebet. Das alles wird über die Lautsprecher in die ganze Schule übertragen. Zum Abschluss gibt es nochmal ein kurzes Gebet und zehn Minuten Reflexion, in welcher die Schüler Tagebuch schreiben und ruhige Musik gespielt wird. Das klingt vielleicht sehr streng strukturiert – aber der Tag hat dadurch einen Rhythmus und es bietet immer wieder einen kurzen Moment zum Durchatmen, was ich für mich selbst als sehr positiv empfunden habe.

Mittagessen kann man je nach Freistunden oder Unterricht irgendwann gehen. Entweder in die Schulkantine – das Soto dort war mit Abstand das beste, das wir im Laufe unserer gesamten Zeit irgendwo gegessen haben – oder zu Garasi, dem Warung gegenüber, wo es Lotek, Nasi Pecel und Gado-Gado (siehe unten) gibt. Dazu gibt es eine Vielzahl an Säften oder die Klassiker Es Teh oder Es Jeruk (Eistee oder Eis-Orangenlimo). Manchmal haben wir mit Kolleginnen und Kollegen gegessen, manchmal mit Schülern, manchmal allein. Es war aber ein tägliches kleines Highlight.

Aufgaben als Praktikantin

Als ich ankam, liefen gerade die mündlichen Deutschprüfungen der Zwölftklässler – und wir durften mittendrin sein. Zunächst mussten sich die Schüler jeweils auf Duetsch vorstellen. Dann wurden in kleinen Gruppen, selbst einstudierte Theaterstücke zu Themen wie „Ausflug planen“ oder „Beim Arzt“ vorgeführt. Manche Schüler kamen mit echten Props und Verkleidungen, das war sehr lustig zuzusehen.

Außerdem sind wir Muttersprachler recht hilfreich, wenn es um Ausspracheübungen geht. Es ist teilweise sehr lustig einzelne Laute vorzusprechen wie <ü> und <u> oder <ch> wie in ich vs. <ch> wie in brauchen. Was teilweise klang als wären wir im Zoo hat letztendlich viel Spaß gemacht und ich habe selbst sehr viel über die deutsche Sprache lernen können. Besonders mit den Mitpraktikantinnen und unterschiedlichen Dialekten in unseren Familien gab es einige Diskussionen.

Das Grammatikerklären hingegen haben wir lieber den indonesischen Lehrern überlassen. Es ist faszinierend wie man als Muttersprachlerin zwar weiß, ob etwas richtig oder falsch ist, aber die Regeln dahinter zu kennen und einfach zu erklären, das ist doch erstaunlich schwierig. Bei Fragen widerum ist es hilfreich viele Lehrer im Klassenzimmer zu haben und hierbei konnten wir gut unterstützen.

Besonders Lernspiele haben wir viele machen können. Für das Abfragen der richtigen Artikel gibt es zum Beispiel „Schere, Stein, Papier“. Die Bewegungen des bekannten Spieles werden je einem Artikel zugeordnet und anstatt, dass dann immer nur ein Schüler auf eine Frage antworten kann, können alle gleichzeitig aktiv werden und ihre Antwort mit einer Geste zeigen. Falls das auf Dauer zu langweilig wird: das Spiel lässt sich super auch blind oder als Wettbewerb-Format spielen. Das Spiel „Ich packe meinen Koffer“ lässt sich super einsetzen, um Vokabeln zu üben. Und ob eine genannte Antwort oder ein Satz grammatikalisch richtig oder falsch ist, können die Schüler auch zeigen, indem sie eine bestimmte vereinbarte Bewegung machen. Dadurch müssen sie nicht still sitzen, sondern es wird gleich noch etwas Sport gemacht (und es sieht sehr lustig aus).

Eine weitere – unerwartet lustige – Tätigkeit: schriftliche Prüfungen korrigieren. Bei einer Schule dieser Größe türmen sich die Klassenarbeiten schnell zu einem beachtlichen Stapel auf (z. B. allein 9 elfte Klassen a 35 Schüler). Jede Stunde, die wir mit rotem Stift in der Hand verbrachten, war eine Stunde, die den indonesischen Lehrkräften geschenkt wurde und die diese dann mit ihrer Familie am Wochenende verbringen konnten. Und so manche Fehler sind ehrlicherweise auch einfach witzig.

Mit den anderen Lehrern

Auch zwischen den Stunden passierte erstaunlich viel. Jeder hat einen kleinen etwas abgeschirmten eigenen Sitzplatz, gleichzeitig sind im vorderen Bereich einige Sofas und Sessel die zum Austausch einladen. Über einzelne Schüler reden ebenso wie über die eigenen Pläne oder das letzte Wochenende und dabei indonesische Snacks probieren, Unterricht vorbereiten, korrigieren und manchmal auch einfach einen Powernap einlegen. Das alles hat hier eine Selbstverständlichkeit, die ich mir auch für zu Hause wünsche. Es wird wirklich jeder immer gegrüßt oder zumindest angelächelt, der ins Lehrerzimmer reinkommt, sodass man sich schnell willkommen und wohl fühlt durch die gute Atmosphäre.

Was mich am meisten überrascht hat: Wenn ein Familienmitglied eines Lehrers oder ein (ehemaliger) Schüler stirbt, endet die Schule früher, mehrere Busse werden beladen – Lehrkräfte und Schüler gemeinsam – und man fährt zur Trauerfeier, manchmal bis zu vier Stunden einfache Strecke. Das ist kein Ausnahmefall, das ist Schulgemeinschaft gelebter als ich es je erlebt habe.

Auch zu guten Anlässen kommt man zusammen. Muslimische Feste waren dabei ebenso Anlass wie christliche. Wir musizierten für einen Auftritt bei der Osterfeier, färbten Ostereier für die Lehrkräfte und kochten für das gesamte Kollegium – typisch deutsch, als kleines Dankeschön.

AGs

Jeden Nachmittag (irgendwann zeischen 15.00 und 18:00) finden unterschiedliche AGs statt. Alle Schüler gehen zu ein oder zwei AGs. Die Deutsch-AGs gehörten zu meinen absoluten Highlights. Jeden Mittwoch A1, jeden Donnerstag A2, jeweils um 15 Uhr. Weniger Schüler, mehr Interesse, weniger Druck, mehr Raum für Spiele wie den „Autogramm-Jäger“ oder gegenseitige Interviews. Wir hatten so viel Spaß, dass wir oft freiwillig noch weitergeredet haben, lange nachdem die Stunde offiziell zu Ende war. Mit den A2 Schüler haben wir sogar eine Übernachtung gemacht, wie eine Art Mini-Klassenfahrt und die war den hohen Planungsaufwand mehr als wert.

Dazu hatten wir die Möglichkeit zu einem Einblick ins Gamelan-Spielen – das traditionelle javanische Instrument klingt wie nichts, was ich je gehört hatte, und spielt sich auch so. Besonders beeindruckt hat mich außerdem die Rotkreuz-AG der Schule. Dort geht es nicht nur um klassische Erste-Hilfe-Maßnahmen – die Schüler lernen auch, wie eine Blutspende-Einrichtung richtig aufgebaut und organisiert wird.

Fazit

Die Schule De Britto bietet eine unglaublich tolle Kombination aus tollen Lehrern und Schülern, einem durchdachten normalen Alltag und abwechlsungsreichen Ausnahmen und Abweichungen von diesem.