Allgemein,  Stellenbosch,  Südafrika

Einleben in Südafrika – zwischen Gastfamilie, Landschaft und Aftercare

Erste Eindrücke von Natur und Land

“Jetzt bin ich wirklich in Südafrika.“ Dieser Gedanke kam mir zum ersten Mal auf der Fahrt vom Flughafen zu meiner Gastfamilie. Während draußen die Berge vorbeizogen und plötzlich alles „verkehrt herum“ wirkte, wurde mir langsam bewusst, wie anders die nächsten Wochen werden würden.

Besonders der Linksverkehr fiel sofort auf, da sich der gesamte Straßenverkehr im Vergleich zu Europa zunächst ungewohnt anfühlte. Trotzdem wirkte alles überraschend organisiert und ruhig. Die Straßen waren breit und sauber, der Verkehr geordnet – ganz anders, als ich es vorher erwartet hatte. Gleichzeitig fiel mir auf, wie präsent die Natur hier ist. Von der Autobahn aus waren fast durchgehend Berge zu sehen, was trotz der vielen neuen Eindrücke etwas Beruhigendes hatte. Bei meiner Gastfamilie angekommen, wurde ich sehr herzlich und wärmstens begrüßt. Schon vom Haus aus hatte ich einen wunderschönen Blick auf die Berge. Da ich aus meinem Heimatdorf in Bayern ebenfalls diese Aussicht kenne, hat mir dieser Anblick sofort ein Gefühl von Vertrautheit gegeben. Obwohl ich tausende Kilometer von zu Hause entfernt war, wirkte die Landschaft in diesem Moment fast vertraut. Genau diese Mischung aus Neuem und gleichzeitig etwas Bekanntem hat meinen ersten Eindruck von Südafrika besonders geprägt.

Nach ein paar Tagen zum Einleben und ersten Gesprächen mit Kolleg:innen von Usiko, um die Organisation besser kennenzulernen, ging es schließlich vorbereitet mit dem Projekt los.

Alltag im Aftercare

Das Projekt besteht aus zwei Aufgabenbereichen: die ersten drei Wochen verbringe ich in der Aftercare der Weber Gedenk Primary School in Jamestown, die darauffolgenden drei Wochen an der AF Louw Primary School in Stellenbosch. Mein Alltag beginnt meist mit etwas Me-Time in einem Café am Stellenbosch Square zum Frühstück, bevor es mittags ins Usiko Office geht.

Nach Gesprächen und Kaffee in der Küche mit den Kolleg:innen fährt das Team gemeinsam zur Schule, sobald das Essen für die Kinder im Auto verstaut ist. Die Aftercare ist eine kostenlose Nachmittagsbetreuung, in der ein Mittagessen für die Kinder inklusive ist. Insgesamt nehmen über 100 Kinder teil, die größtenteils aus sozial schwächeren Familien kommen.

Vor Ort teilen wir uns als Team auf: Während zwei Kolleginnen die Kinder vom angrenzenden Schulgelände abholen, deckt der Rest des Teams in einem Klassenzimmer die Tische mit Essen und Getränken. Die Kinder begrüßen uns jedes Mal mit Umarmungen und einem Lächeln im Gesicht – etwas, das mich immer wieder daran erinnert, warum mir die Arbeit mit Kindern so wichtig ist. Die Offenheit der Kinder überraschte mich dabei nicht. Ohne Berührungsängste kamen sie auf mich zu, suchten Nähe und Kontakt, sodass ich schnell eine echte Verbindung zu ihnen aufbauen konnte.

Vor dem Essen wird gemeinsam gebetet – ein Moment der Dankbarkeit, an dem alle Kinder teilnehmen. Danach werden die Kinder in altersgerechte Gruppen eingeteilt und von jeweils einer Betreuungsperson begleitet. Im Wechsel durfte ich so verschiedene Altersstufen kennenlernen. Die Aktivitäten reichen von Malen und Basteln (z.B. zu Ostern) über Spiele wie Uno oder Domino bis hin zu Outdoor-Aktivitäten wie Seilspringen, Fußball oder Fahrradfahren sowie dem Knüpfen von Armbändern.

Nach den oft lauten und intensiven Nachmittagen ging es für mich meist erstmal nach Hause, um herunterzukommen. Den Tag habe ich dann häufig mit einer Laufrunde in der Umgebung von Jamestown zum Sonnenuntergang ausklingen lassen, bevor er mit einem ruhigen Abendessen in der Gastfamilie oder gelegentlichen Besuchen bei deren Familienverwandten endete.