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Bogor 2018 Pollution Solution „Mach Kunst aus deinem Müll“ – ein Projekt zum Thema Nachhaltigkeit

Anfang Februar diesen Jahres begann ich mit einem Auslandspraktikum in Indonesien. Insgesamt dauerte es 6 Wochen. Mein Volontariat absolvierte ich an der Madamia-School in der Nähe  der Haupstadt Jakarta. Ursprünglich war ich dafür vorgesehen, die dort beschäftigten Deutschleherer zu unterstützen.

An der Madamia-School wird schon ab der ersten Klasse jedes Fach in Englisch unterrichtet. Dieses Privileg ist darauf zurückzuführen, dass es sich um eine international angesehene Privatschule handelt, die sich allerdings nicht alle Eltern für ihre Kinder leisten können. Die Schule bietet diverse Möglichkeiten sich in Kunst, Sport und Sprachbildung zu entwickeln. Die Bildungseinrichtung besteht aus einer Grundschule, einer mit Deutschland vergleichbaren Realschule sowie einem Gymnasium.

Als meine Mitpraktikantin Barbara Buchberger und ich einen Wochenendausflug nach Seribu, einer Inselgruppe in der Nähe von Jakarta, planten, stellten wir entsetzt fest, dass der einheimische Hafen “Muara Ancle” mit Plastikmüll geradezu übersät war. Noch nie zuvor hatten wir solche Unmengen an Müll gesehen.

Etwa 500 Meter vor dem Hafen zog sich eine riesige Fläche mit Plastikmüll durch den Ozean, der schließlich an der Küste meterhoch angeschwemmt wurde. Der Müll bestand aus Plastikflaschen, Plastikbechern, Strohhalmen und Plastiktüten. Wie konnte das sein?

Um diese Frage zu beantworten, begann ich meine Recherche zur Müllverschmutzung.

Indonesien ist weltweit nach China der zweitgrößte Müllproduzent und damit für einen Großteil des im Ozean schwimmenden Plastikmülls verwantwortlich. Jeder Indonesier produziert täglich im Durchschnitt 0,8 kg Plastikmüll. Das Bewusstsein zum Thema Umweltverschmutzung und deren Folgen schien uns in Indonesien noch weniger ausgeprägt zu sein als in Deutschland. In der Rangliste der am meisten Müll produzierenden EU-Staaten liegt Deutschland derzeit auf Platz 4. Allerdings erkennen hierzulande immer mehr  Menschen, dass etwas gegen den Verpackungsplastikmüll unternommen werden muss. Ein Grund dafür, warum dies in Indonesien noch eher selten passiert, könnte darin begründet liegen, dass der Großteil der dort ansässigen Menschen mit fehlender Bildung, politischer Korruption und deren Auswirkungen oder auch Armut zu kämpfen haben. Doch genau das schadet unserem Planeten, denn bis sich der gefährliche Plastikmüll zersetzt, vergehen hunderte von Jahren.

Zusätzlich wird der Ozean durch den vielen Plastikmüll übersäuert. Daraus folgt die Reduktion des für die Tiere lebenswichtigen Sauerstoffs im Wasser. Immer mehr Teile ihres Lebensraumes gehen dadurch verloren. Des Weiteren halten viele Meereslebewesen wie Fische den Plastikmüll für Nahrung und sterben an den dadurch bedingten Vergiftungserscheinungen oder nehmen Teile davon auf und ersticken daran. Beispielsweise sterben Meeresschildkröten oft an verschluckten Plastiktüten oder Strohhalmen. Zudem zersetzt sich der Plastikmüll durch mechanische Prozesse zu Mikroteilchen, die von den Meerestieren aufgenommen werden, die teilweise wieder in unseren Nahrungskreislauf gelangen.

Alltag in Indonesien

In Indonesien ist es üblich, die Abfälle der Familien auf den Straßen zu verbrennen. Dadurch entstehen giftige gasförmige Substanzen, welche sowohl die Umwelt als auch die Gesundheit der Menschen massiv beeinträchtigen können. In Deutschland gibt es Müllverbrennungsanlagen, in denen die entstehenden giftigen Dämpfe gefiltert werden, um Schäden für unsere Umwelt zu vermeiden. Ein weiterer Aspekt ist, dass bei uns durch die Müllverbrennung Energie entsteht, die anderweitig genutzt werden kann. Doch um solche kostspieligen Verbrennungsanlagen zu entwickeln, benötigt man teure, moderne Techniken.

Zusätzlich gibt es in Indonesien sehr viele Umverpackungen aus Plastik. Beim Einkaufen im Supermarkt bekommt jeder Käufer und jede Käuferin eine Plasiktüte gratis dazu. In Deutschland kostet diese mittlerweile 10 Cent, was dazu führen soll, alternative Verpackungsmöglichkeiten zu nutzen. Eine erste Lösung die negativen Folgen von Plastikmüll auf unsere Umwelt einzudämmen, könnte darin bestehen, dass jeder Mensch bewusst für sich selbst entscheidet, so wenig Plastikmüll wie möglich zu produzieren.

Besonders nachdenklich wurde ich, als ich beobachtete, wie viele Menschen in Indonesien sich ganze Paletten von “watercups” (deutsch: Wassertassen) kauften. Diese sind mit Trinkwasser gefüllt und ungefähr so groß wie ein Joghurtbecher. Eine Plastikfolie dient als Verschluss. Dazu wird in sie ein Strohhalm zum trinken gesteckt.

Eigentlich wäre es viel nachhaltiger, eine wiederverwendbare Flasche zu benutzen und diese beliebig nachzufüllen. In Indonesien gibt es zahlreiche Wasserspender, die beispielsweise in vielen öffentlichen Einrichtungen, Restaurants oder auch im eigenem Haushalt zur Verfügung stehen. Allerdings war es unter den indonesischen Schülerinnen und Schülern nicht üblich, Wasserflaschen zu benutzen. Für mich als Deutsche gilt das als selbstverständlich und wurde mir von meinen Eltern und Großeltern so mitgegeben. Augenscheinlich war dies in Indonesien nicht der Fall, wodurch ein Teufelskreis entsteht.

Nachhaltiger Umgang mit Plastikmüll

Doch diesen Teufelskreis wollte ich durchbrechen. Ich entschloss mich, ein Projekt für einen nachhaltigen Umgang mit Plastik und dessen Folgen für die Umwelt zu planen, welches ich an meiner Praktikumsschule mit Zweit- und Viertklässlern durchführen wollte.

Mit den Viertklässlern gestaltete ich eine Unterrichtsstunde zum Thema Ozeanverschutzung. Als Aufklärungs und “Informationsinput” diente ein Film von national Geographic Kids, in dem die schwerwiegenden Folgen des menschlichen “Plastikkonsums”, insbesondere für den Ozean, dargestellt wurden. Thematisiert wurde unter anderem, dass viele Lebewesen durch diese Verschmutzung des Ozeanes sterben müssen. Der Film bot darüber hinaus Alternativen zur Problemlösung an. Diese beschäftigten sich mit der Frage: “Wie reduziere ich meinen Plastikmüll für eine bessere Umwelt?”

Nach dem Film begannen wir eine gemeinsame Disskusion über Gesehenes, welche im Plenum stattfand. Die Kinder reagierten emphatisch den Tieren gegenüber. Viele der Schülerinnen und Schüler waren bestürtzt darüber, dass Plastikmüll dazu beitragen kann, Meeresschildkröten zu vergiften. Außerdem konnten sie nicht verstehen, warum die Menschen keine Rücksicht auf andere Lebewesen nehmen können. “Warum werfen die Menschen den Müll nicht einfach in speziell dafür vorgesehene Recycling-Mülltonnen?”, wurde ich gefragt. Wir waren uns allesamt einig “Wir müssen darauf achten, unseren Plasikmüll zu verringern”.

Des Weiteren wurden die Schülerinnen und Schüler von uns nun in Gruppen eingeteilt, um ein Plakat zu erstellen. Die Plakate sollten drei Aussagen beinhalten: “was haben die Kinder im Film gesehen, was denken sie darüber und welche Fragen haben sie zur Ozeanverschmutzung”. Innerhalb einer halben Stunde sollten die Gruppen das Plakat entworfen und gestaltet haben, um es anschließend vor dem Rest der Klasse vorzutragen.

Mit der ersten Klasse sah das ganze Projekt anders aus. Nach anschließender Plenumsdiskussion über den gleichen Film, teilten wir die Schülerinnen und Schüler ebenfalls in Gruppen ein. Im Vorfeld hatte ich benutzte “watercups” gesammelt. Diese verteilte ich auf den Tischen.

Wir sprachen darüber, dass diese in Indonesien generell und bei den Kindern zu Hause sehr oft benutzt werden, obwohl es besser wäre, größere Flaschen an Wasserspendern wieder aufzufüllen. Wir konnten allerdings die “watercups” in der Unterrichtsstunde weiter verwenden, um damit „Kunst zu machen„.

„Mach Kunst aus deinem Müll“

Die Maltechnik, die wir dafür auswählten, heißt “dirty pouring” und stammt ursprünglich aus den USA. (Unter dem folgendem Link finden Sie das Video dazu: https://youtu.be/4XUs_p3Sam ) Dabei wird eine sogenannte “basecolour” (deutsch: Grundfarbe) in einen Becher gefüllt und mit verschiedenen „Farbtröpfchen“ ergänzt.

Anschließend platziert man eine Leinwand auf dem Becher und dreht beides unter stabilem Festhalten um. Nach einer Wartezeit von ungefähr einer Minute hebt man den Becher an. Die verschiedenen Farben gelangen so auf die Leinwand und können beliebig durch Rütteln und Schütteln verteilt werden. Durch den zusätzlichen Gebrauch von Strohhalmen können durch Pusten und Kratzen besondere Effekte erzielt werden.

Zum Schluss des ganzen zufälligen Prozesses entsteht ein abstraktes Bild mit „Komposition“.

Diese Technik erschien mir sinnvoll, da mit einfachem Praktizieren ein besonders schönes Ergebnis erreicht werden kann. Der Unterschied zwischen erfahrenen Künstlern, die diese Maltechnik praktizieren, und denen, die damit noch nicht viel zu tun hatten, ist geringfügig. Auch die Kinder waren sichtlich beeindruckt von dem Ergebnis, welches sie selbst kreiert hatten. Außerdem machte ihnen diese Maltechnik großen Spaß.

Mein Fazit

Mir imponierte, dass die Schülerinnen und Schüler durch ihre eigene Kreativität bewiesen haben, dass sie sich mit den Problemen der heutigen Umwelt auseinandersetzen. Sie haben mit ihren Werken ein klares Statement dazu abgegeben, nachhaltiger mit Plastikprodukten umzugehen. Denn die kommenden Generationen sind unsere Zukunft und damit sind wir dafür verantwortlich, mit gutem Beispiel voran zu gehen und unser Wissen an die Kinder weiterzugeben. Am Besten so früh wie möglich. Die Leinwände wurden in einer Werkschau in der Galerie der Schule ausgestellt. Nachfolgend ausgewählte Fotos zu diesem Projekt.