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Chile: Ein Land der Extreme

Das Land der 2000 Vulkane, Wüsten, Gletscher, Fjorde und über 4000 km Küste.

Ich hatte das Glück das Land vor meinem Praktikum zwei Monate lang bereisen zu können. Und ich empfehle jeder*jedem der die Möglichkeit dazu hat, das gleiche zu tun! Zum einen, weil dieses Land atemberaubend schön ist, zum anderen aber auch um sich an das chilenische Spanisch zu gewöhnen.

Die Natur

Auch wenn ihr nicht vorhabt ein Praktikum in Chile zu machen, ist es definitiv eine bzw. mehre Reisen wert! Von der Atacama Wüste im Norden bis hin zu den Gletschern und Fjorden im Süden macht die Natur einen immer wieder sprachlos. Zudem ist Chile sehr einfach und sicher zu bereisen. Die Busverbindungen sind super, komfortabel und bezahlbar. Dabei darf man die Distanzen in diesem langen Land aber nicht unterschätzen, 4270 km von Norden bis Süden (in etwa so weit wie von Porto (Portugal) nach St. Petersburg (Russland)!). Gleichzeitig ist es an den meisten Stellen aber weniger als 200 km breit. In ganz Chile prägen die Vulkane die Natur und auch die Kultur, vor allem auch die der indigenen Völker. Bei 2000 Stück wohl auch kaum verwunderlich. Unzählige Mythen und Legenden drehen sich um die Vulkane. 70 davon sind heute noch aktiv und erst 2015 sind zwei Vulkane ausgebrochen. Die Folgen früherer Ausbrüche sind in vielen Nationalparks nicht zu übersehen, die schwarzen Zungen der erstarrten Lava die sich durch die bewaldeten, grünen Hügel im Süden ziehen sehen unwirklich aus.

Da sich Chile auf der Südhalbkugel befindet, ist hier alles etwas umgekehrt: Die Sonne scheint mittags vom Norden, sie wandert linksherum und nicht nach rechts und je weiter nördlich man in Chile kommt, desto wärmer und trockener wird es. Je weiter südlicher man dagegen geht, desto grüner, regnerischer und kälter wird es bis zum südlichsten Punkt von Chile, der Antarktis. Die absoluten Highlights der chilenischen Natur finden im Norden in der Atacama Wüste und im Süden in Patagonien zu finden. Die Atacama Wüste ist eine der trockensten Orte der Welt und dementsprechend viel scheint dort die Sonne. Es gibt riesige Salzlagunen, Flamingos die dort im Sommer leben, regenbogenfarbene Berge, Geysire, Millionen Kakteen und eine der besten Backpackerorte mit wilden Wüstenpartys: San Pedro de Atacama. Wer von hier aus in den Süden will braucht entweder viel Zeit oder muss fliegen…

Im Süden erwartet einen das patagonische Eisfeld, was sehr viele beeindruckende Gletscher mit sich bringt. Patagonien ist zudem geprägt von den verrücktesten, wunderschönen Bergformationen, Fjorden, Seen und einem gemäßigten Regenwald mit 3000 Jahre alten Bäumen.

Nach der zweimonatigen Reise könnte man meinen, ich hab nahezu alles interessante von Chile gesehen oder? Noch lange nicht! Vermutlich hab ich gerade mal die Hälfte aller Nationalparks überhaupt betreten und ich lese immer wieder von Orten wo ich gerne noch hinfahren würde. Zum Glück liegt der Praktikumsort im Süden in einer wunderschönen Region in welcher es am Wochenende genug Ausflugsziele hat. An schönen Tagen lassen sich von hier aus sogar der Vulkan Villarica und Llaima sehen! Die zwei aktivsten Vulkane von Chile, wunderschön in Schnee gepackt. Bei diesem Anblick macht das Herz jedes Mal einen kleinen Freudensprung:)

In Chile spricht man Spanisch?

Das Spanisch der Chilen*innen ist doch etwas…naja anders. Ob man das Spanisch der Chilenen wirklich noch Spanisch nennen kann? Darüber lässt sich vermutlich streiten. Aber Fakt ist: Es ist relativ schnell, sie benutzen viele Chilenismen (also Wörter die wirklich nur hier verwendet werden), sie verschlucken oft Buchstaben wie z.B. das „s“ und sie verniedlichen alles, wirklich alles! Ein café ist ein cafecito, agua wird zu agüita, Anna wird zur Annita und ein Marcelo zum Marcelito. Diese Kombination führte zu Beginn meiner Zeit hier in Chile zu großer Verzweiflung: „Ist mein Spanisch doch viel schlechter als gedacht? Hätte ich doch lieber ein anderes Land wählen sollen? Doch lieber an eine deutsche Schule gehen sollen und nicht an eine Schule, an der alles auf Spanisch ist?“ Aber was soll ich sagen: Im Endeffekt liebe ich es! Der chilenische Dialekt ist einfach unglaublich witzig zum Zuhören und einfach sympathisch. So schwierig es am Anfang auch ist ihn zu verstehen, man fängt wirklich an ihn lieb zu gewinnen. Und die Chilen*innnen erklären einem auch mit großer Leidenschaft und Geduld die Chilenismen, dabei lernt man nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur die dahinter steckt kennen. Dabei fällt ein großer Teil der Chilenismen (bzw. der Erklärungen) auf Wörter für Essen, Trinken und Feste, was meiner Meinung nach auch ganz gut die Chilen*innen beschreibt: Sie lieben Essen, sie feiern gerne und sie lieben „Copetes“ (jegliche alkoholische Getränke), am besten chilenischen Wein, hausgemachtes Bier (was es hier wahnsinnig viel gibt) oder Piscola (der chilenische Schnaps „Pisco“ mit Cola oder Sprite).

Hört sich doch eigentlich ziemlich sympathisch an oder? 😉 Dann auf nach Chile!