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Die letzten Wochen in Rwanda – Murabeho!

Schulsystem

Ich melde mich nun noch einmal kurz, um von der zweiten Hälfte des Praktikums zu erzählen. Wie bislang teilte sich unsere Zeit zwischen Schule und Waisendorf auf. Besonders interessant fand ich dabei die Teilnahme an den praktischen Unterrichtsstunden (z.B. Kochen, Hausbau), da diese einen großen Unterschied zu meiner Schulerfahrung an einem deutschen Gymnasium darstellen. Dabei hinterfragte ich allerdings so manchmal die Effektivität dieser Praxisstunden, da die Aufgaben sehr monoton waren (z.B. einen ganzen Tag lang eine Mauer bauen) und von einer zu großen Anzahl an Schülerinnen und Schülern durchgeführt wurden, sodass die Hälfte nur zuschauen konnte. Der Theorieunterricht unterschied sich von Deutschland insofern, als dass die deutlich größeren Tische U-förmig aufgestellt und von beiden Seiten bestuhlt waren. An jedem Tisch saßen letzten Endes bis zu acht Personen. Das führte zu einem gewissen Geräuschpegel im Klassenzimmer. Die Lehrer unterbanden diesen aber in der Regel nicht und ließen auch Zwischenrufe der Schüler, die ohne Meldung erfolgten, zu. Das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern ist hier sehr freundschaftlich und überschreitet manchmal (z.B. wenn Schüler und Lehrer miteinander tanzen) die professionelle Distanz, die ich aus Deutschland gewohnt bin.

Das Schulsystem in Ruanda gliedert sich in drei Abschnitte: Nursery school (Alter: 3-6), Primary school (Alter 6-13) und Secondary school (Alter 13-19). Das Alter variiert allerdings stark innerhalb der Klassen, da Kinder aus einkommensschwächeren Familien u.a. aufgrund der Schulgebühren zum Teil nicht rechtzeitig eingeschult werden können. Grundsätzlich herrscht in Ruanda aber Schulpflicht. Am Ende der Primary school sowie im dritten und im letzten Jahr der Secondary school werden landesweite Abschlussprüfungen geschrieben, die über die weitere Schullaufbahn der jeweiligen Schülerinnen und Schüler entscheiden. Mit guten Schulnoten geht in der Regel der Besuch einer Internatsschule einher, während leistungsschwächere Schüler Tagesschulen besuchen.

Die Schüler, die wir kennengelernt haben, besuchten die sogenannten „Short course“ Klassen. Diese sind sehr praxisorientiert, basieren auf einem neuen Konzept der Regierung und ermoeglichen Schulabbrechern sowie Gefluechteten aus anderen Laendern in 7 Monaten zu einem – meist technischen – Abschluss zu gelangen. Ebenso bieten sie eine Moeglichkeit zur Weiterbildung nach dem Abschluss der Secondary School.

Schüler aus der Masonary Klasse

Update aus dem Waisendorf

Für die Kinder aus dem Waisendorf organisierte ich diverse Freizeitaktivitäten: Wir backten zum Beispiel zusammen Stockbrot, bastelten Origamifiguren, formten Salzteigfiguren und bemalten sie, führten kleine naturwissenschaftliche Experimente durch (z.B. Oberflächenspannung von Wasser, optische Täuschungen), und betrieben Upcycling, indem wir Tiere aus Klopapierrollen bastelten. Außerdem unternahmen wir einen Ausflug an den nahegelegenen See und Amelie und ich unternahmen erste Versuche, den Jugendlichen schwimmen beizubringen.