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Pão por Deus & São Martinho

Was macht ein Land aus? Seine Kultur natürlich… und dazu gehören vor allem auch Feste. Deshalb möchte ich in diesem Blogeintrag gerne über zwei Feste berichten, die zu meiner Zeit in Portugal stattfanden. 

Das ist zum einen Halloween und Sankt Martin. Jetzt fragt ihr euch bestimmt was daran portugiesisch sein soll, oder? 

Dann bleibt dran:

Halloween an sich hat natürlich erst einmal nichts mit portugiesischer Kultur zu tun. Diesen Tag und alles was dazugehört haben die Portugiesen genau wie wir Deutschen übernommen und die Kinder gehen verkleidet von Haus zu Haus und sammeln Süßgkeiten. Auch im Kindergarten und in der Grundschule dreht sich an diesem Tag alles um das importierte Halloween. Ich durfte allerdings erfahren, dass dieser Tag noch eine ganz andere Bedeutung für die Portugiesen hat. Dass diese immer unbedeutender wird, wird vor allem den Englischlehrkräften vorgeworfen, da diese in ihrem Unterricht nicht nur Vokabeln und Grammatik lehren, sondern natürlich auch englische/ amerikanische Kultur. Und da gehört Halloween natürlich dazu. Ich glaube jedoch nicht, dass es das Verschulden der Lehrkräfte ist, dass die Kinder es lieben sich zu verkleiden und Süßigkeiten zu sammeln. Sonst würden ja alle auch nur noch Eier und „baked beans“ zum Frühstück essen. 

Im Gegenteil, die Englisch-Lehrkraft, die ich in meiner Zeit in Portugal begleiten durfte, legte sogar sehr großen Wert darauf, dass die Kinder ihre eigene Geschichte nicht vergessen und behandelte mit ihnen deshalb das Thema „Pão por Deus“ kurz vor Halloween. 

Die Tradition dahinter steht in Zusammenhang mit einem Erdbeben, dass im 18. Jahrhundert in Lissabon viele Menschen ihrer Existenzgrundlagen beraubte. Diese mussten in Folge dessen um Brot betteln. Daraus entwickelte sich die Tradition, dass Kinder jedes Jahr am 1. November, dem Tag des Erdbebens, von Haus zu Haus zogen und nach Brot in Gottes Namen, also Pão por Deus fragen. 

Am 11. November ist Sankt-Martins-Tag. Diesen Tag kennt hier in Deutschland wohl auch jeder noch aus seiner Kindergarten- und Schulzeit. Ich kann mich noch gut erinnern, dass wir mit unseren selbstgebastelten Laternen in der Dämmerung losgezogen sind, um ein kleines Spektakel zu beobachten, in dem dargestellt wurde, wie Sankt Martin seinen Umhang mit einem armen Bettler, der fast nichts zum Anziehen hatte, teilte. Anschließend sind wir mit den Laternen wieder zum Kindergarten gegangen und dort gab es Süßes und warme Getränke.

In Portugal wird ebenfalls der Sankt-Martins-Tag gefeiert, hier São Martinho. Der Grundgedanke ist der gleiche allerdings geht die Geschichte dort noch etwas weiter und statt Laternen gibt es Kastanien: 

Ungefähr so wird die Geschichte in Portugal erzählt:

Martin ritt in seine Heimatstadt zurück. Das Wetter war grauenhaft. Es war kalt, stürmisch und regnerisch. Auf dem Weg kam er an einem armen Bettler vorbei. Martin hatte jedoch nichts bei sich was er ihm hätte geben können. Deshalb entschloss er sich kurzerhand dazu seinen Umgang den er an hatte mit seinem Schwert in zwei Teile zu teilen und dem Bettler eine Hälfte zu geben. Dieser war Martin unglaublich dankbar. Als Martin weiter ritt, verwandelte sich das Wetter auf einmal und es wurde wärmer, der Regen und Sturm hörte auf und die Sonne begann zu scheinen. Der Sankt-Martins-Sommer begann. Dass das Wetter sich wandelte wurde als Zeichen Gottes gesehen, der Martin für seine selbstlose Tat belohnte. 

Hier in Portugal wird es meist um den 11. November noch einmal richtig schön, bevor der Winter endgültig einkehrt. Das nennen die Portugiesen „Verão do São Martinho“. 

Auch ich durfte das erleben und saß mit kurzem Top und strahlendem Sonnenschein auf dem Balkon und genoss das Wetter. 

Schon den ganzen Herbst über gibt es überall Kastanien zu kaufen. Am 11. November ist es sogar Tradition diese zu essen. Dazu trinkt man einen bestimmten Wein Likör. In der Grundschule gab es an diesem Tag Kastanien für alle. Die Kinder hatten zuvor eigens dafür Tüten gebastelt und versammelten sich dann alle draußen im Schulhof, saßen zusammen und aßen Kastanien.