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Hurra, ich bin in Namibia!!!

Ich kann es immer noch nicht glauben: Vor inzwischen sechs Tagen bin ich gemeinsam mit Pia, Marleen, Theresia, Anja und Miri nach Windhoek geflogen.

Wir haben uns alle dazu entschlossen mit dem BLLV (Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband) ein sechsmonatiges Auslandspraktikum in Namibia zu machen. In diesem Rahmen werden wir an einer Schule eigenständig unterrichten und praktische Erfahrungen als Lehrkraft sammeln. Mehr Infos dazu gibt es unter https://studierende.bllv.de/ausland/namibia-school-project. Insgesamt sind wir 15 Lehramtsstudierende bzw. Absolvent*innen des ersten Staatsexamens, die von Januar bis Juni 2024 in ganz Namibia ehrenamtlich an unterschiedlichen Schulen arbeiten. Die anderen sind teilweise schon angereist oder kommen demnächst an. Ich bin gemeinsam mit Pia an der Karibib Private School (KPS).

Nach der Landung in Windhoek wurden wir beim Aussteigen von der Hitze des namibischen Sommers empfangen. Schnell war klar: Die Jacken und Schals müssen runter, wenn ich hier nicht zerlaufen will. Im Flughafen wartete schon der Driver, den wir von dem Berufsverband empfohlen bekommen haben, allerdings mussten wir zuerst durch die Einreisekontrolle. Dort bekamen wir eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung. Um unser Praktikums-Visum zu bekommen, mussten wir noch zur Behörde. Nachdem das erste Bargeld abgehoben und für jeden eine SIM-Karte mit 18 GB gekauft worden war, machten wir uns mit dem Driver auf den Weg dorthin. Die Fahrt war nicht nur wegen des Linksverkehrs und der namibischen Musik spannend. Die Savanne beeindruckt mich. Sie ist so weitläufig und bergig zugleich. Es gibt viele Sträucher und Büsche, dazwischen hellbrauner Sand. Ab und zu steht ein Baum rum. Alles in allem sieht es überraschend grün aus.

Plötzlichen waren vor uns auf der Straße Affen unterwegs. Und zwar keine kleinen Äffchen sondern ein Meter große Affen! Das war der Moment, in dem ich das erste Mal angefangen habe zu realisieren, dass ich jetzt in Namibia bin. Umgeben von wilden Tieren.

Das Ministry of Home Affairs befindet sich in einem wirklich großen Gebäude. Es ist mit über zehn Stockwerken im Vergleich zu den umliegenden Gebäuden wirklich erschreckend groß.

Gemeinsam mit dem Driver betraten wir die Eingangshalle und warteten ca. 45 min auf einen freien Schalter. Als wir endlich an der Reihe waren, wurde uns mittgeteilt, dass nun die einstündige Mittagspause beginnt. Diese Gelegenheit nutzen auch wir und fuhren zu einem Supermarkt in der Nähe. Einkaufen in fremden Ländern ist so spannend. Leider war mein Energielevel nach der langen Reise nicht mehr ganz so hoch und ich konnte nicht begeistert durch die Regale rennen, aber einige Sachen sind mir trotzdem im Gedächtnis geblieben: Zu allererst die riesige Obsttheke mit viel frischem Obst. Dann die gekühlte Fleisch- und Wursttheke, die ihren ganz eigenen Geruch im Supermarkt verströmen ließ.

Überdies Regale mit Nudeln und Konserven, Putzmitteln und Hygieneartikeln und vielen weiteren Gegenständen, die man in der Zukunft brauchen kann. Man kriegt hier wirklich alles! Die Suche nach einem vegetarischen Snack gestaltete sich allerdings schwierig und endete mit einer leeren Buttersemmel – auch okay.

Zurück am Amt kamen wir irgendwann (ich habe die Zeit aus dem Blick verloren) dran und gaben unsere vorbereiteten Visa-Unterlagen samt Reisepässe ab. Im Optimalfall dauert die Bearbeitung nur 1-2 Tage, weswegen Pia und ich bei der Reiseplanung beschlossen haben über’s Wochenende in Windhoek zu bleiben und hoffentlich am Montag oder Dienstag mit dem Visum in unseren Pässen an die Schule nach Karibib zu fahren, die am Mittwoch beginnt. Ein Satz mit x: Das war wohl nix. Frühestens am Donnerstag können wir unsere Reisepässe wieder abholen. Naja, die Unterkunft in Windhoek ist trotzdem gebucht, also nutzen wir Zeit, um die Stadt ein wenig kennenzulernen.

Was mir direkt aufgefallen ist:

Die Tatsache, dass ein großer Teil der Bevölkerung dunkelhäutig ist, fällt mir überraschender Weise kaum auf. Es ist irgendwie so normal, als wäre man hier großgeworden. Das finde ich schön. <3

Fußgänger*innen, die größere Distanzen zu Fuß überwinden, scheint es nicht zu geben. Als Fußgänger*in wird man regelmäßig von vorbeifahrenden Autos angehupt – freie Taxis, die einen mitnehmen wollen, wie wir schnell rausgefunden haben.

Fußgängerampeln gibt es in der Theorie. Einige leuchten gar nicht. Andere schon, manchmal auch kurz grün. Die Grünphase ist allerdings so kurz, dass man es kaum schafft die Straße in der vorgesehenen Zeit zu überqueren. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, die Straße im Blick zu haben, bevor man sie überquert!

Insgesamt sind weniger Menschen unterwegs als in Indien (Für alle, die es noch nicht wissen: Ich habe 2018/19 einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst an einer Schule in Nordostindien geleistet. Sicher werde ich das ein oder andere Mal auf diese Zeit Bezug nehmen. Bei Interesse: Hier der Bloglink zum damaligen Blog:  https://blogs.donboscovolunteers.de/anitainindien/). Viel weniger Menschen. Das hängt vermutlich mit der Bevölkerungsdichte zusammen… 2021 waren es laut dem statistischen Bundesamt in Namibia 3 Personen/ km², in Indien 469 Personen/ km² (https://destatis.de).  

Entsprechend gibt es auch weniger Verkehr. Dafür deutlich schnelleren. Innerorts ist laut Reiseführer 60 km/h die erlaubte Höchstgeschwindigkeit. Ich glaube, dass es teilweise schneller zugeht.

So wie wir in Indien angebettelt wurden, kommen auch hier immer wieder Menschen auf einen zu und Fragen nach Geld oder Essen. Ich finde diese Situationen – wie damals auch – immer noch unangenehm, aber es gehört wohl dazu.

Die Hitze hier ist anders als in Indien. Viel trockener und heißer. Für mich ist das (bis jetzt) deutlich besser zu ertragen, als das schwülwarme Wetter im indischen Dschungel. Zum Glück mag ich es warm. Fühle mich hier wie im Paradies. Und es gibt Palmen!

Außerdem gibt es viele andere tropische Gewächse, die wir erst noch kennenlernen müssen. Zum Beispiel den Flammenbaum, den wir mit Hilfe einer App und Internetrecherche identifizieren konnten. Dieser hat ein gestieltes, doppelt paarig gefiedertes Laubblatt (siehe Bild 1). Die Schoten (siehe Bild 2) können bis zu 60 cm lang werden.

Ein weiteres tropisches Gewächs ist die duftende Frangipani-Pflanze mit ihren schönen Blüten. Die Kelchlappen der Blüte sind eiförmig-dreieckig und die Laubblätter sind ledrig umgekehrt einförmig bis einförmig langgestreckt.

Besonders die vielen Kakteen faszinieren mich. Sie haben leuchtende Blüten und können richtig groß werden. Z.B. dieser wunderschöne, sternförmige Lophocereus marginatus Kaktus mitten in der Stadt.

Witzig finde ich, dass sich hier die Autos unter dem Schatten der wenigen Bäume sammeln wie eine Horde Tiere. In der Sonne ist es gerade mittags wirklich superheiß.

Es gibt sogar überdachte Parkplätze (zumindest im gehobenen Viertel).

Tagsüber fühle ich mich hier sehr sicher. Allerdings muss ich gestehen, dass ich es um jeden Preis vermeiden möchte zu spät draußen zu sein. Im Reiseführer heißt es, dass man vor Ladenschluss zurück sein soll und auch unsere Ansprechpersonen vom BLLV und der Rezeption warnen vor Raubüberfällen, die wohl tatsächlich vorkommen sollen. V.a. wenn man unvorsichtig ist. Also lieber vorsichtig sein!

Was ich jetzt schon liebe sind die vielen Tiere: Auf unserem Fußmarsch in die Innenstadt sahen wir beispielsweise ein Erdmännchen. Die sind sooo süß! Auf einem weiteren Spaziergang von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten war – gefühlt mitten in der Stadt – auf einmal Natur pur. Da war nichts als Savanne. Kein Haus. Keine Straße. Nichts. Außer dem Zwitschern der Vögel. Ich habe mich auf dem Weg gefühlt wie im Tropenhaus. Wir konnten sogar einige bunte Vögel sehen.  

Was mir auch aufgefallen ist: Der Einfluss Deutschlands. Neben wirklich vielen deutschen Straßennamen, gibt es VW oder Puma und ein Goetheinstitut. Der deutsche Baustil ist auch nicht zu übersehen.

Exemplarisch dafür ist die evangelische Christuskirche, in der wir am Sonntag im Gottesdienst waren. Gepredigt wird dort auf Deutsch. Während des Gottesdienstes habe ich glatt vergessen, dass ich in Namibia bin. Das ist schon verrückt!

Als wir nach dem Gottesdienst aus der Kirche traten, regnete es. Es kann also auch in Namibia regnen. Nach kürzester Zeit ist das Wasser jedoch wieder verdampft und die Hitze machte sich wieder breit. Eines Abends als wir glücklicher Weise schon in der Unterkunft waren, gab es ein heftiges Gewitter mit Platzregen. Der tut der Natur so gut!

Egal bei welchem Wetter, wir haben einige Sehenswürdigkeiten abgeklappert. Z.B. sahen wir den aus Bronze gegossenen Sam Nujoma, den ersten Präsidenten des unabhängigen Namibias, der vor dem Independence Museum thront, das leider vorübergehend geschlossen ist. Die Einheimischen nennen das Gebäude aufgrund seiner Form liebevoll die „Kaffeemühle“.

Die Gedenkstatute zum Freiheitskampf, auf der geschrieben ist: „Their blood waters our freedom“, hat mich sehr berührt. Insgesamt beschäftigt mich die Geschichte Namibias immer wieder und regt zum Nachdenken an.

Das Parlament Namibias tagt im sogenannten Tintenpalast. Dieser Name stammt noch aus der deutschen Kolonialzeit. Er verweist auf die bürokratischen Prozesse, die dort abliefen.

Das erste Shopping (neben Wasser und Snacks) haben wir auch schon hinter uns gebracht.

Im Namibian Craft Center gibt es wunderschöne handgemachte Kunsthandwerke, beispielsweise Schmuck, Taschen, Schüsseln, Deko oder Klamotten. Ich war selbst von mir überrascht, dass ich mich so gut beherrschen konnte und nichts gekauft habe, bis ich in der Bücherabteilung den „Children‘s Picture Atlas of Namibia“ gesehen habe. Da musste ich zuschlagen. Und was soll ich sagen? Am selbigen Abend bin ich wie zur Zeit des Geographie-Staatsexamens mit dem Atlas in der Hand ins Bett gegangen und habe die Karten studiert. Neben englischen Begriffen konnte ich tatsächlich einige Infos über das Land entnehmen und bin jetzt top informiert. 😉

Nach der Wanderung zu einem Aussichtspunkt

gönnten wir uns im Bierhaus ein wohlverdientes Kaltgetränk.

Die Preise sind billiger als in Deutschland, aber deutlich teurer als in Indien. Für 200 ml Limonade zahlt man in Windhoek umgerechnet 1,70 €, für ein vegetarisches Hauptgericht 8,75 €.

Ein Taxi für bis zu vier Personen kostet für die Strecke von 7 km (15 min Fahrzeit) ungefähr 2 €. Man kann in Windhoek Taxis über eine App anfordern und zahlt dann den Preis pro Auto.

Davon machten wir Gebrauch, als wir Marleen an ihrer Schule, der Waldorf School Windhoek, besuchten. Diese liegt ein Stück außerhalb von Windhoek.

Sie hat uns rumgeführt und ich muss sagen: Ich war echt baff: Das ganze Schulgelände ist schön und liebevoll hergerichtet. Es ist sehr weitläufig und Vieles ist bunt bemalt.  Es gibt sogar ein Gewächshaus und Hühner!

Zur Stärkung haben wir mittags gemeinsam gekocht. Ich muss gestehen, dass ich durch die Hitze mittags gar nicht so viel essen kann, v.a. nichts Warmes…

Trotzdem tat die Stärkung gut und wir hatten danach wieder Energie die Savanne um Marleens Schule zu erkunden.

Dort sahen wir gelbe Papageien, ein ausgetrocknetes Bachbett, viele Kakteen und Pflanzen und die Hinterlassenschaften großer Tiere.

Die Ankomm-Zeit in Windhoek ist nun vorbei und Pia und ich sind gerade in Karibib an unserer Schule angekommen. Jetzt gilt es erstmal sich dort zu orientieren und einzuleben. Ich bin schon so gespannt auf die Kinder und Kolleg*innen. Weitere Berichte folgen 😉