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Kap Verde – Von staubigen Wanderungen, glitzernden Buchten und saftigen Mangos

Viele Tage schwammen über das offene Meer ans Land, seitdem Autor David Joseph Sturm seinen letzten Eintrag schrieb. Welle für Welle schlugen sie am Strand der Kap Verdischen Buchten an. Tag für Tag hielten die steilen Klippen der unbändigen Kraft des Wassers stand. Moment für Moment erlebten wir auf dem sagenhaften Archipel des grünen Kaps. Mittlerweile riecht alles nach Sand, Salz, Schweiß und Ziege. Doch das muss bei wahren bayerischen Bergziegen wohl so sein.

Praia – Here we are. Not.

[30.07] „Mussten in Toulouse zwischenlanden wegen einem medizinischen Notfall an Bord…Also den Anschlussflug bekomme ich sicher nicht. Keine Ahnung wie das jetzt weiter ist. Melde mich sobald ich was weiß.“

Als wir unsere müden am Morgen aufreißen und unsere Handynachrichten checken schlägt uns Lenas SMS wie McGregor voll eins in die Fresse. Mit lautem Quietschen kommt unsere Urlaubseuphorie zum Stehen. Es ist Sonntag, es ist heiß. Bastian und ich kommen wie die gesamte Bevölkerung nur langsam in die Gänge und tapsen auf der Suche nach einer Bank und Frühstück etwas betröpelt und traurig durch Praia. Erst ein kleiner Limonen-Punsch, den wir beim Wasser-Kauf von einer netten alten Dame ungefragt angeboten bekommen, bringt uns allmählich in Fahrt. Morgens halb zehn in Praia. Im Pao Quente frühstücken wir mit Kaffee, Croissants und anderen Leckereien, die wir nach drei Monaten Ghana sehnlichst vermissten. Zurück in unserer Unterkunft, Morabeza Kriol, beobachten wir vom Balkon das ruhige und gemächliche Sonntags-Treiben der Insulaner. Das nicht immer funktionierende WLAN des ansonsten sehr empfehlenswerten Hostels bringt neue Kunde von Lena:

„Ziemlich bescheuerte Nachricht. Ich reise erst am 01.08 an weil alle anderen Flüge bis dahin ausgebucht sind. […] Wundert euch nicht, dass ich nicht komme. Scheiße. Ohman…“

Unserem freundlichen Gastgeber Dany schildern wir direkt unsere Situation. Er steht uns mit Rat und Tat zur Seite und reserviert uns unser Zimmer sofort für zwei weitere Nächte. Er versorgt uns auch mit hilfreichen Informationen und Tipps über Praia und Santiago, da unser Reiseführer in Lissabon festhängt. Um unserer Laune eine kleine Aufheiterung zu ermöglichen laufen wir am Nachmittag zu den Stränden der Stadt. Prainha und Queba Canale. Gefühlt ganz Praia hatte an diesem Tag allerdings die gleiche Idee um sich vor den gefühlt 38° Außentemperatur abzufrischen. „Do gäds ja zua wia am Stachus!“, stelle ich überrascht fest. Doch das ist noch leicht untertrieben. Tausende Menschen tummeln sich am Strand. Kein Platz zum Liegen, kaum Platz zum Stehen. In den brechenden Wellen werden Menschen über Menschen gespült. Geräuschkulisse wie auf der Wiesn. Kreischende Menschen, laute Musik und von irgendwo her duftet ein gegrilltes Hendl. Bei den Klippen des weißen Leuchtturms haben einige Familien Generatoren und Grills angeschleppt. Es wird gefeiert, getrunken und gegröhlt. Die blau-weißen Schaumkronen donnern auf die schwarzen, scharfkantigen Felsen. Ein beachtliches Schauspiel vor dem wir uns auf der anderen Seite der Landzunge in Schutz nehmen und ein erfrischendes Bad im salzigen Nass genießen. Die losgelöste Stimmung schwappt dann aber doch noch auf uns über, als wir im Aqua mit zwei Canaeca frischem Kriola Apressao in Windeseile unsere trockenen Kehlen befeuchten. Nebenan bolzen ein paar Jugendliche, Wheelie-fahrende Biker und rasende Sportwägen säumen die Strandpromenade und auch wir präsentieren unser fußballerisches Geschick auf dem heißen Pflaster. Als wir nach kurzer Zeit unsere blasenübersäumten Fußsohlen betrachten sind wir irgendwie ganz froh, dass Lena erst in zwei Tagen eintrifft. Wie geschlagene Hunde dackeln wir auf unseren Fersen zurück zur Unterkunft. An Wandern ist für uns erstmal nicht zu denken. Bei Shawarma und einigen Bierlis (warum zur Hölle wurden 0,25l Flaschen überhaupt erfunden?) sinnieren wir über unsere Zeit in Ghana und schlafen bald darauf mit großer Vorfreude über die bevorstehende Zeit ein. Dafür müsste halt jetzt nur noch die Lena endlich eintreffen…

[31.07] Den zweiten Wartetag eröffnen wir mit einem Frühstück aus frischem Kaffee und selbstgemachtem Porridge mit süßen Früchten, welches wir in der Hostelküche zubereiten. Vom Balkon aus beobachten wir ein mysteriöses Wasserloch auf der Straße. Spielende Kinder und streunende Hunde schenken dem kleinen Loch im Kopfsteinpflaster mehr Beachtung als die fleißigen Straßenfeger und die geschäftigen Arbeiter, die sich mit Bus und Taxi auf dem Weg in die Arbeit befinden. So lassen wir die Stunden verstreichen und warten bis uns die Hitze auf die Straße treibt. Dank unserer hervorragenden Tagesplanung schwitzen wir nicht schlecht, als wir gegen Mittag auf dem Sucupira Market ankommen. Zwar schenken die vielen Schirme und Marktstände schützenden Schatten, doch scheint es als ob sich die schwüle Hitze der Stadt vor sich selbst in den Markthallen verstecken möchte. Es tropft uns von der Stirn und die Suche nach luftigen Tanktops und schützenden Caps ist im Labyrinth des undurchsichtigen Marktes wahrlich kein Vergnügen. Bekanntlich ist das Essen dort am besten, wo Einheimische und Arbeiter ihre Mittagspause verbringen. Diesem Leitsatz folgend setzen wir uns neben die vielen staunenden Gesichter und bestellen mit Zeichensprache zweimal Essen. Was genau das allerdings sein wird, wissen wir noch nicht. Nach längerer Wartezeit wird uns Hähnchen mit Reis, Bohnen und Pommes aufgetischt. Durchaus schmackhaft und an energiespendenden Kohlehydraten mangelt es auch nicht. Als Leckerli gönnen wir uns nach einem kurzen Spaziergang auf das Plateau, dem eigentlichen Zentrum der Stadt, noch ein in der Sonne zerlaufendes Eis und laufen dann gemütlich wieder zurück zum Hostel, nicht ohne einen herrlichen Blick über den Hafen, die Bucht mit der vorgelagerten Ilhéu Santa-Maria und unser Stadtviertel Achada de Santo António zu erhaschen. Im Hostel angekommen werden wir von einem freundlichen Exil-Portugiesen, der sich in der Schweiz niedergelassen hat, begrüßt und abends zur Churrasqueria Dragoeira geführt, wo wir lecker gegrilltes Hendl und ein kühles Bier genießen.

[01.08] Voller Vorfreude und Tatendrang nimmt unsere Reiseplanung beim täglichen Frühstücksritual Fahrt auf. Der Kaffee zischt in der Bialetti, das Porridge blubbert und das saftige Obst verströmt seinen süßen Duft im Raum. Wir haben das Hostel für uns alleine und breiten uns in dem geräumigen Apartment gehörig aus. Lenas Ankunft ist absehbar und dank Danys Informationen und Auskünften schmieden wir wundervolle Strandtage und wandervolle Bergtage. Wir laufen in die Stadt und klappern mit der Hilfe eines Touristenguides die Fähr- und Flugbüros ab, um die Weiterreise auf die Nachbarinseln zu organisieren. In der Mittagshitze führt er uns auch noch zu einem einheimischen Lokal, wo wir im Schatten Local Food (Fisch, Reis, Bohnen) probieren und vor der intensiven Sonneneinstrahlung Schutz suchen. Mit vollen Bäuchen und voller Informationen setzen wir uns in ein Taxi und fahren mit Vollgas nach Hause. Während sich Basti beim Schnorcheln im Meer erfrischt, erledige ich im nahen Supermarkt die notwendigen Einkäufe für die nächsten Tage. Gerade als der selbstgemachte Sangria und das Bier im Kühlschrank verstaut sind, erhalte ich von Lena folgende Nachricht:

„Hallöchen. Wir sind hier gerade am Flughafen angekommen und ratet mal was ist? Der Flug ist gecancelt. Keine Ahnung wann ich irgendwann mal zu euch komme. Vom Fliegen hab ich genug. […] Also das ist doch ein Scheiß…ich hab echt kein Bock mehr. […]“

Gläser klirren. Steinhäuser brechen zusammen. Luftschlösser zerstört. Konsterniert schaue ich aus dem Fenster und kläre Dany über unsere erneute Planänderung auf. Er setzt kleine Steine wieder aufeinander und lässt kleine Rädchen wieder drehen, sodass wir zum Glück noch zwei weitere Nächte in seiner Unterkunft bleiben können, bis Lena endlich eintreffen wird. Als Basti vom Baden nach Hause kommt, ist ihm die Traurigkeit förmlich ins Gesicht geschrieben, als er von Lenas erneuter Flugänderung erfährt. Frustriert leeren wir den süßen Sangria und das süffige Bier, machen uns dann auf Essenssuche, die letztendlich im Aqua bei weiteren Kriola und Super Bocks endet.

[02.08] Cidade Velha – Wo alles begann

Da wir die weiteren Wartetage nicht weiter unternehmungslos verstreichen lassen wollen, fahren wir am nächsten Vormittag, nach unserem morgendlichen Porridge-Früchte-Kaffee Frühstück, mit dem Aluguer nach Cidade Velha. In dem kleinen Dörfchen angekommen setzten wir uns, vom Vorabend noch etwas verschlafen, in ein Restaurant am Strand und beobachten die nächsten zwei Stunden nichts anderes als die schaumigen Wellen, welche sich über die vorgelagerten Felsen der Bucht erschlagen. Nach einer Stärkung raffen wir uns zu einer kurzen Wanderung auf. Das alte Dorf beherbergt mit der alten Kathedrale ein Weltkulturerbe. Doch die verfallenen Überreste der ersten Kathedrale Westafrikas sind alles andere als interessant, geschweige denn imposant. Wir setzen unsere Tour über die steile Straße bis zum Fort fort. Schweißgebadet kommen wir am einstigen Verteidigungswall der Portugiesen an und staunen über die grünbewachsene Ribeira, welche sich weit ins Inselinnere zieht und für landwirtschaftliche Zwecke genutzt wird. Eine spannende und wunderschöne Landschaft, welche einst sowohl Vasco da Gama als auch Sir Francis Drake für sehenswert hielten und mit ihren Schiffen im sicheren Hafen der Cidade Halt machten. Im selben Wasser, wo deren Boote einst ankerten, waschen wir unseren Schweiß aus den Gesichtern und machen uns dann ehrfurchtsvoll auf den Rückweg nach Praia. Nach schnellem Abendessen und langsamen Bier auf dem Balkon versuchen wir noch eine Mütze Schlaf zu erhaschen bevor wir mitten in der Nacht Lena vom Flughafen abholen können. Bastian und Lena sind nach über drei Monaten endlich wieder vereint und wir sind alle glücklich, dass die Reise nun beginnen kann.

[03.08] Mit saftiger Mango, Papaya und süßer Banane weihen wir Lena am nächsten Tag in unser Frühstücksritual ein. Zur Feier des Tages haben sich vier Tage alte Brezen, Bergkäse und Landjäger aus Bayern an den Frühstückstisch gesellt. Aber Brezen sind Brezen, auch wenn sie in der Pfanne wieder erhitzt und somit essbar gemacht wurden. Gestärkt und glücklich machen wir uns mit unseren Rucksäcken auf zum „Fast Ferrys“ Büro, um unsere Tickets für die Weiterreise zu reservieren. Etwas glücklich bekommen wir für kommenden Samstag die letzten drei Tickets nach Brava und buchen für unsere Rückkehr am 14.08 ebenso schon einmal die Plätze in der Fähre.

Doch zunächst machen wir uns noch auf dem Landweg auf Richtung Traumstrand Tarrafal. Der Fahrer des Aluguers findet uns in der Nähe des Sucupira Markts und lädt unsere schweren Rucksäcke in den gut motorisierten und neuen Toyota Hiace, kein Vergleich zu den klapprigen Schrottkisten aus Ghana. Wir nehmen auf den neuen Sitzen erwartungsvoll Platz und beobachten im angrenzenden Markt kleine, süße Schweinchen, die sich in einer Schüssel versammelt haben. Über die Berge fahren wir in den Norden der Insel, wo wir zwei Stunden später in Tarrafal ankommen. Im Mille Nuits eingecheckt schnabulieren wir rasch unseren Proviant auf der sonnigen Terrasse und machen uns dann mit Badehose und Handtuch bewaffnet auf zum Meer. A bissl Baden, a bissl Bouldern, a bissl tauchen, a bissl Kaffee und a bissl Milch. Wir haben auf alle Fälle unseren Spaß als die Bedienung der Santiago Bar „um poco leche“ mit einem großen Glas frischer Milch beantwortet das Basti zu seinem Kaffee serviert bekommt. Abends entdecken wir dann noch den traumhaften Sandstrand, der sich gerade in das Gewand der Nacht hüllt und uns mit herrlichem Rauschen zum Feierabend Bier begleitet.

[04.08] Monte Graciosa – Toni Kraxlberger Volume 1°

Bergziegen Koryphäe David, alias Toni Kraxlberger, hat am Monte Graciosa seinen ersten großen Auftritt. Mit flotten Schritten, meist zielsicherer Führung und spannender Unterhaltung vergehen die 600hm wie im Flug. Die schöne Wanderung wird nach einer kurzen Kraxeleinheit über eine Felsverblockung mit einem traumhaften Panorama über die Insel Santiago und die Bucht von Tarrafal belohnt, wenn man nicht gerade im Nebelfeld steht. Einfach brutal! Subba! Der weglose Abstieg in westliche Richtung führt über einen abenteuerlichen, steilen Felshang mit kleinen Klettereien, welche ohne die Führung von Toni Kraxlberger, nur erfahrenen Bergliesln und Bergbislern zu empfehlen ist. Die belohnende Erfrischung in einer einsamen Bucht kommt gelegen, denn die Sonne steht schon hoch am Himmel und der Abstieg hat einiges an Kraftkörnern gekostet. Die beiden Spielkameraden Basti und David suchen mit Taucherbrille und Schnorchel nach Fischen, Korallen und Sprung-geeigneten Klippen, während Lena am Strand nach Muscheln sucht. Schnellen Schrittes legen wir die Strecke ins Dorf zurück und stärken uns mit einer guten und günstigen Portion Fisch im Strandrestaurant Pico de Peixe. Der freundliche Kellner organisiert uns auch noch schnell ein Aluguer, denn die Zeit ist schon fortgeschritten, um die Reise zurück nach Praia anzutreten, von wo aus die Fähre am nächsten Tag ablegen wird.

Brava – Glitzerndes Wasser, staubige Berge und saftige Mangos

[05.08] Viel zu früh kommen wir am Hafen in Praia an. Ich weiß nichts mit der Zeit anzufangen und schütte heißen Espresso über den Reiseführer. Ich konnte mir einfach nicht merken auf welcher Seite das Kapitel über die Insel Brava anfängt. Jetzt weiß ich‘s. Brava ist die westlichste Insel des Archipels, geologisch verwandt mit der Nachbarinsel Fogo, nur 64km2 groß und Heimat von knapp 6000 Kap Verdi. Auf der Fährfahrt lernen wir neben dem Number One Hit des Landes auch die Mentalität einiger Mitzwanziger kennen welche sich innerhalb kürzester Zeit einen Fetzenrausch ansaufen. Zur Erinnerung: Es ist gerade elf Uhr vormittags hier auf den Kap Verden. Das Schaukeln des niederländischen Bootes füllt die eine oder andere Kotztüte unserer Sitznachbarn. Mit der Zeit breitet sich im Passagierraum ein herrlicher Duft aus Angstschweiß, Kotze und Bierdunst aus. Wir flüchten in den Außenbereich und entdecken in der Ferne ein paar springende Delfine sowie die beeindruckende Vulkaninsel Fogo, die wir in Anschluss an Brava noch besuchen wollen. Nach kurzen Zwischenstopp im Hafen von Saó Filipe, Fogo, kommen wir nach knapp neun Stunden Reisezeit in Furna, auf der Insel Brava an. Als wir im Hafen angekommen sind, erleichtert sich ein streunender Hund zur Belustigung aller auf meinem Rucksack, während ich im Reiseführer nach Unterkünften suche. Vielen Dank an die Firma Deuter für die Nutzung von wasserabweisender Außenhülle. Carlos, der einzig Englisch sprechende Aluguer Fahrer der Insel, packt uns sofort in sein Collectivo, versorgt uns mit vielen nützlichen Informationen und chauffiert uns dann sicher nach Faja d’agua, wo wir im Kaza di Zaza einchecken. Ein traumhafter Ort. Fast zu schön um wahr zu sein.

Das glitzernde Wasser säumt die schroffen Felsen und wir hüpfen noch schnell von den kleinen Klippen in das angehnehme Blau, um uns vom Reisedreck der vergangenen Stunden zu reinigen. Am Abend lassen wir uns von Anna bekochen. Riesige Platten werden aufgetischt. Gefüllt mit Reis, Gemüse, Pommes und Fisch. Trotz unseres guten Hungers und des leckeren Geschmacks schaffen wir es nicht die Teller zu leeren. Zur Strafe müssen wir leider noch den guten Punsch des Hauses probieren, der uns sogar so sehr mundet, dass sich ein zweiter Schluck in unsere Gläser verirrt. Hoppala.

[06.08] Je steiler, desto geiler.

Am nächsten Morgen wachen wir zu dritt nebeneinander auf. Wie konnte das passieren? Na gut, das Bett im liebevoll eingerichteten Apartment war einfach nur riesig. Ein wunderschöner Blick über die Bucht erwartet uns beim Frühstück. Frische Papayas, Passionsfrüchte und Mangos zieren unsere Teller, die von dampfendem, köstlichem Kaffee benachbart werden. Ich freue mich wie ein kleines Kind an Weihnachten, bringe das Grinsen nicht mehr aus meinem Gesicht und bin überglücklich.

Von Erik und Marjike lassen wir uns eine Wanderung zum Cruz di Faja erklären. Der Weg dorthin ist teilweise steil, aber die 400hm sind schnell zu bewältigen. Oben angelangt wandern wir immer mit herrlichem Ausblick über die Buchten und Berge entlang des Kamms der Ribera bis nach Nossa Senhora de Monte. Dort erhaschen wir bei unserer Brotzeit, mit leckerem Ziegenkäse, einen kurzen Blick auf den Fontainhas, den höchsten Berg Bravas. Für den Abstieg hätte ich gern mein Mountainbike dabei gehabt, denn der absolute Traumtrail durch das Tal zurück nach Faja d’agua ist sowohl landschaftlich als auch technisch ein Fünf-Sterne Trail.

Je Mango, desto geiler.

Es beginnt mit einem leidenschaftlichen Kuss. Bärte werden mit Mangos beschmiert, nicht-vorhandene mit einem aus Mangos geziert. Schalen werden enthüllt und fortgeworfen wie lästige Kleider. Alles ist saftig und tropft. Mangokerne, liebkost von der Zunge, kleben aneinander wie liebende Körper. Ein jeder lutscht und saugt den köstlichen Nektar aus der saftigen Frucht. Schmatzend. Laut klatschend. Stöhnend vor Freude. Ein wahrer Taumel…

Und als es vorbei ist wischen wir Saft von den Lippen, tauchen die Hände in den Dreck um den klebrigen Rest zu verwischen und gehen von dannen. Glücklich, zufrieden. So schnell es kam, so schnell ist es vorbei. Und ein jeder wird sich daran erinnern. Die saftige Mangos vom immergrünen Mangobaum.

 

Je Meer, desto mehr.

Unsere erhitzten Gemüter erfrischen wir anschließend im kühlen Nass. Basti und ich schwimmen wie die Großen Schwimmer vergangener Zeiten zu einem Felsen, der sich etwas außerhalb der Bucht befindet. Mit Bastis Taucherbrille kann man zwar unter Wasser sehen, doch außer unendlicher Tiefe und ein paar Fischen erkennen wir nichts. Das Wasser ist hier bis zu 4000m tief und wir sind im offenen Meer. Die Strömung arbeitet gegen uns und die Wellen sind auch nicht gerade klein. Dennoch kommen wir nach circa 800m am Felsen an und klettern auf dessen Spitze. Lena hält mit dem Zoom-Objektiv voll drauf und fängt uns beim Sprung in die Tiefe ein. Traumhaft und auch etwas aufregend. Wie Michael Phelps machen wir uns in allen Lagen auf den Rückweg und kommen dank der Strömung nun etwas schneller zurück ans Ufer, wo uns zunächst Lena mit den coolen Fotos und dann Anna mit einer erneuten Riesenportion Fisch und Reis empfängt.

[07.08] Da in der Früh leider der Bäcker nicht ins entlegene Dorf kam, müssen wir uns zum Frühstück mit selbstgemachten Pfannkuchen und Schokocreme begnügen. Naja, gibt schlimmeres. Als wir dann noch den prächtig blau-schwarzen Vogel, der uns bei den Wanderungen schon aufgefallen ist, direkt von der Veranda fotografieren können, ist das Desaster perfekt. Den einzigen Sandstrand Bravas entdecken wir, dank der roten Markierungen von Gastgeberin Marjike, nach einer Stunde Wanderung in einer nahe gelegenen Bucht. Da wir von den sieben Touristen auf Brava die einzigen in Faja d’agua sind, haben wir die zehn Meter schwarzen Sandstrand ganz für uns alleine. Ich erklimme eine knapp acht Meter hohe Klippe und springe dank Bastis Taucherkundung in ein 4,5m tiefes Loch aus Felsen. Bis uns der Hunger zur Rückkehr verleitet verbringen wir die Stunden in der Sonne mit lesen und entspannen. Auch das Fotoshooting am Strand ist mindestens so süß und sexy wie das erneute Mango-Massaker, das wir als Nachspeise zum Kaffee fabrizieren. Die kleinen, marmeladenartigen und zugleich saftigen Mangos, von denen jeder von uns fünf bis sechs Stück verschlingt, erinnern uns an scheinbar längst vergangene Zeiten in Ghana. Und doch können wir hier von unserem aufgestauten Ghana Verdruss eine Menge Abstand gewinnen. Es ist einfach herrlich und wunderbar.

Am späten Nachmittag lassen wir uns von Carlos abholen und in die Eco-Lodge in Villa Nova Sintra, der Hauptstadt Bravas, bringen. Der Besitzer, Mario, ist Italiener und führt eine wunderschön gelegene Herberge mit Blick auf Fogo. Naja, zumindest wenn die Wolken mal nicht das gesamte Dorf in Nebel hüllen.

[08.08] Zäh fließender Nebel verhüllt die Gipfel der Insel. Er taucht sich in eine magische Wolke, welche die Spitze und das Geheimnis der Inseln zu verwahren scheint. Erst wenige Höhenmeter vor dem höchsten Punkt (Fontainhas, 976m) gibt sich der von einer Antenne und Radar verschandelte Gipfel aus dem Nebel zuerkennen. Oben angelangt treffen wir ein Pärchen aus der Unterkunft wieder, die einen anderen Aufstieg gewählt haben. Die Französin und der Senegalese folgen uns nach kurzem Kennenlernen auf dem Abstieg nach Cachaço. Im Gespräch mit der Französin vertieft missachtet Guide Toni Kraxlberger die Vorfahrtsregeln und verläuft sich. Die Gruppe folgt ihm natürlich blindlings und erst als die Häuserdächer von N.S. de Monte zu erkennen sind bemerkt die bayerische Bergziege das Missgeschick. Doch Toni Kraxlberger wäre nicht Toni Kraxlberger, wenn er nicht einen Ausweg parat hätte. Nach einem kurzen Geländescan und weiterem Check der Offline-Handy Karte von outdooractive.de schlägt der findige Führer einen neuen Weg zum Zielort ein. Die „Bitte Wenden“-Blicke der Franzosen ignoriert er lächelnd und folgt dafür hängenden Ziegenpfaden und losen Trampelwegen über Stock und Stein hinunter zur Straße nach Cachaço. Pfad finden will gelernt sein. Dort angekommen stärken sich die wanderlustigen Deutschen mit einer Pampe aus Bohnen, Kichererbsen und Thunfisch, während die Frankophonen auf ein Aluguer zurück nach Villa Nova Sintra warten. Die Wanderung hat gerade erst begonnen denkt sich der Toni und schön schnürt er seine Adidas Terrex neu um die abenteuerliche Weiterreise auszukundschaften. Getreu dem Motto: „Aufe, Obe, hintre, viere“ versucht Toni Kraxelberger den Einstieg in die Ribeira zur Casa Eugenio Tavares zu finden. Kartenmaterial und Reiseführer haben ihn längst im Stich gelassen und so macht er sich fluchs per pedes auf um das Tal auszuspähen. Brutal. Auf einmal bleibt er stehen. Lena und Basti verharren ebenso. Nachdem der erste Anlauf zum Abstieg schon ein Rheinfall, wie in Krefeld am Rhein gewesen war, wäre der zweite Anlauf fast ein Fall über 200m Steilhang gewesen. Direkt vor ihnen erstreckt sich das traumhaft schöne, tiefe und lange Tal hinuter bis ans Meer. Ein wahnsinns Blick. Und dort auf der anderen Talseite sieht man ihn auch, den Weg hinunter. Also nochmal zurück bis fast ins Dorf und in großem Bogen zum Einstieg. Sackrisch steil. Brutal ausgesetzt. Der ehemalige Weg ist teilweise von Erdrütschen und Steinlawinen zerstört oder verschüttet. Der lose Untergrund mahnt zu erhöhter Vorsicht von oben und von unten. So zügig wie möglich, so vorsichtig wie nötig steigen wir hinab. Passieren zwei Esel und setzen dann die Wanderung im trockenen Flussbett fort. Die bereits gewanderten 15km stecken allen in den Knochen und die Konzentration verliert zusehends den Kampf gegen die Müdigkeit. Doch die Wanderung durch das Flussbett ist wahrlich ein Abenteuer, immer wieder müssen verblockte Felsen hinabgeklettert und technische Stellen kunstvoll gemeistert werden. Mal fallend, mal gehend. Doch ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Immer weiter steigen wir hinab, immer weiter. Als wir endlich das ehemalige Wohnhaus des bekanntesten Dichters der Kap Verden, Eugenio Tavares, auf der rechten Hangseite entdecken, hören wir bereits das Meer rauschen und unser Blut rauscht bis in die Ohren. Eine kurze Pause später und wir steigen nochmal 600hm über lose Wege (viele Wanderer kommen hier nicht vorbei) auf bis nach Baleia und kommen dann endlich nach 7,5 Stunden, 23,5km und 1200hm wieder in unserer Unterkunft an. Die Strapazen des Tages stehen uns ins Gesicht geschrieben und der einsetzende Regen passt zu unserer Stimmung. Müde und abgekämpft lächeln wir den entgegenkommenden Bewohnern ins Gesicht. Glücklich, dass wir die spannende und schwierige Wanderung bewältigten und dabei nichts passiert ist.

[09.08] Sorno

Man scheint hier in einer eigenen Welt zu leben. Zu gehen in einer Hülle wo weder oben noch unten, wo weder links noch rechts eine Rolle spielen. Alles ist umgeben von einem Blau und man vergisst wo man ist. Man zweifelt an der wirklichen Welt und wünscht sich, die andere Seite unter und hinter dem Spiegel zu entdecken. Doch auch auf dem Kopf stehend, sieht diese Welt genauso aus wie sie ist. Felsig, karg, mit wenigen Bäumen. Bellende Hunde, meckernde Ziegen und wiehernde Esel verstecken ich am Wegesrand, der sich teils lose, teils fest, aber immer steil bergauf oder eben bergab zum einen Ende des sichtbaren Blaus über Felsen und Klippen hinabschlängelt. In Gedanken versunken wandere ich so viele Kilometer. Ein Schritt vor dem anderen. Hinter mir höre ich die liebevollen Spinnereien meiner beiden Begleiter, welche mich schmunzelnd aus meinen Tagträumereien reißen.

Am Tag nach unserem Gewaltmarsch wandern wir nur 14km. Einmal runter zu den grünen Terrassen von Sorno und zurück. Auf den 2,5 Stunden hinab merken wir noch deutlich unsere Beinchen, die gesamte Körperspannung fehlt und wir holpern wie ein unrund laufender Traktor den schmalen Pfad hinab zur steinigen Küste. Zeitgleich mit uns trifft dort auch der Regen ein. Wir schmeißen uns in die Badeklamotten und snacken unsere belegten Käsebrote, sowie unsere Sportler-Mahlzeit: Bohnen, Kichererbsen und Thunfisch. Danach stacksen wir über die großen Steine zu einer ungefährlichen Einstiegsstelle ins Meer. Aber man kann einfach nicht vorsichtig genug sein. Auf einem klitschigen Stein erwischt es mich, aber passiert ist zum Glück nix. Als wir uns zum Aufbruch entscheiden, tut es uns der Regen gleich und verzieht sich ins nächste Tal. Auf der einzigen Straße zurück in die Stadt entdecken wir einen durchnässten Baby-Wauzi, Bauzi sozusagen, von Basti liebevoll Schorschi genannt, der uns eine Weile lang hinterher läuft. Doch wir können uns nicht dazu durchringen dem kleinen Köter ein Obdach oder Futter zu geben und lassen ihn schweren Herzens hinter uns zurück. Am letzten Abend in Brava schlemmen wir nochmal köstliche Meeresfrüchte und Thunfisch und gehen nach zwei anstrengenden Wandertagen früh ins Bett.

[10.08] Überfahrt nach Sao Filipe

Es ist kurz vor sechs Uhr morgens als der Wecker klingelt. Wir packen unser restliches Zeug und steigen nach schnellem Frühstück in Carlos‘ Aluguer, das uns hinab nach Furna in den Hafen bringt. Dort steigen wir in die Fähre nach Fogo und kommen nach einer halben Stunde Fahrt in Sao Filipe auf der Insel Fogo an. In der Taxifahrer-Menschenmenge pickt uns ein junger Fahrer raus und bringt uns ins Zentrum, wo wir sofort mit der Suche nach einer Unterkunft beginnen. Dies stellt sich in der Hitze und mit den schweren Rucksäcken als kein leichtes Unterfangen dar, denn entweder sind die im Reiseführer angegeben Hostels geschlossen, zu teuer oder wollen uns verarschen. Schlussendlich bekommen wir im Aparthotel ein 4er-Zimmer zu einem angemessenen Preis. Wir schleudern unsere viel zu schweren Backpacks in die Ecke und erholen uns von der unfreiwilligen Stadttour mit leckeren Mangos, Weintrauben, Feigen und leckeren Plätzchen von der besten Bäckerei der Stadt. Als wir später vom Baden am Strand zurückkommen, was aufgrund der gefährlichen Strömung, aber nicht wirklich zu empfehlen ist, bemerke ich, dass ich wohl meinen Geldbeutel verloren habe. Ich durchsuche dreimal meine Rucksäcke kann ihn aber nicht finden. Mist. Zum Glück war dort „nur“ meine Kreditkarte und Bargeld enthalten. Nach Sperrung der Karte ist für mich die Sache erledigt. Ich verzichte auch auf eine Anzeige bei der Polizei, da ich einen Diebstahl ausschließen kann und mir der Geldbeutel in einem unachtsamen Moment wohl aus der Tasche oder Rucksack gefallen sein muss. Außerdem mache ich mir ohnehin keine großen Hoffnungen den verblieben Geldbetrag im Portemonnaie wieder zubekommen. Ärgerlich. Abgehakt.

[11.08] Auffahrt nach Cha de Chaldeiras

Nach dem leckeren Frühstück verstauen wir die großen Rucksäcke in einem Zimmer des Hotels und reisen mit Daypacks weiter. Der eigentliche Grund für unseren Ausflug auf die Insel Fogo wird in Angriff genommen. Der knapp 3000m hohe Pico de Fogo. Einer der steilsten und aktivsten Vulkane der Erde, dessen letzter Ausbruch gerade einmal zwei Jahre her ist und dabei zwei Dörfer fast komplett zerstörte. Von 234 Häusern wurden 229 restlos zerstört und unter bis zu 60m tiefer Lava verschüttet. Als wir mit dem Aluguer die Grenze des Nationalparks überfahren, staunen wir nicht schlecht. Im Kraterboden eines uralten Riesenvulkans erhebt sich der 2829 Meter hohe Pico de Fogo, dessen Seitenkrater im November 2014 zu dem verherrenden Ausbruch führte, bei dem zum Glück kein Mensch zu Schaden kam. Videos und Fotos vom Ausbruch können auf YouTube bestaunt werden. Ein Bewohner, der mit uns im Collectivo sitzt, erzählt uns vom Ausbruch und den nachfolgenden Evakuierungs- und Wiederaufbaumaßnahmen. Existenzen wurden zerstört, das Hab und Gut der vielen Familien ein Opfer der glühend heißen Masse. 1,5 Jahre mussten die Bewohner warten um zu sehen was von ihren Dörfern übrig blieb. Als wir aus dem Auto steigen ist die Stimmung wie auf einem Friedhof. Überall verschüttete Häuser und Pick-Ups ragen schräg aus der Lava. Ich kann mir gar nicht vorstellen welche Gewalt dieses Element zu Tage bringt und wie unfassbar zerstörerisch diese ist. Doch das Leben geht weiter. Wir sehen viele Menschen, die ihre Häuer wieder rekonstruieren. Sie nutzen verbliebenes Mauerwerk und schlagen feste Lavabrocken heraus, um damit zerstörte Mauern wieder aufzubauen. Die Steine sind scharfkantig, es ist staubig und die Hitze der fast täglich scheinenden Sonne macht die Arbeit nicht leicht. Dennoch siedeln sich die Bewohner hier wieder an, denn der fruchtbare Lavaboden lässt Wein, Apfel, Granatapfel und weiteres Obst prächtig gedeihen. Mit 320 Sonnenstunden ist Cha de Chaldeiras einer der sonnigsten Orte auf den Kap Verden. Zudem bietet der Vulkan-Tourismus eine lukrative Einnahmequelle. Wir steigen in der Casa David ab und genießen die beeindruckende Landschaft mit Blick auf die steilen Flanken des Kraters bei leckerem Kaffee und süßem Wein. Als wir zum Abendessen in den Speisesaal gebeten werden, staunen wir nicht schlecht. Durch die ehemaligen Türen des Essraums ragt meterhohe erkaltete Lava. Es scheint als sei diese von einer am Tisch sitzenden Geisterhand direkt vor dem Esstisch aufgehalten worden. Mir ist etwas unbehaglich, als ich mit der Lava im Rücken mein Abendessen verspeise. Die Emotionen und die Ängste, die hier ausgehalten wurden, sind noch deutlich zu spüren.

[12.08] Pico de Fogo und Abstieg nach Mosteiros

Es ist noch dunkel als wir unser unnötiges Zeug aus dem Rucksack werfen, schnell unser Frühstück verdrücken und dann mit den ersten im Vulkankessel eintreffenden Sonnenstrahlen den Aufstieg zum Gipfel bestreiten. Den unerfahrenen Tagestouristen und Flachlandtirolern wird von allen Seiten ein Guide ans Herzen gelegt, doch wir entscheiden uns nach mehreren Gesprächen mit Locals dazu, die 40 Euro zu sparen und stattdessen auf die Führungsqualitäten von Toni Kraxlberger zu vertrauen. Die einzig richtige Entscheidung, denn der Weg auf den Pico ist weit einsehbar und verläuft stets auf dem einzigen „Rücken“ der hinauf zum Gipfel führt. Wir legen ein gutes Tempo vor und hängen die Touristengruppe, welche mit zwei Guides ausgestattet ist, deutlich ab. Der Aufstieg ist steil, der staubige Untergrund rutschig und manchmal klettert man auf allen Vieren über kleinere Felsblöcke hinauf. Mit dem Kopf im Boden und immer auf den nächsten Schritt bedacht, lassen wir die eine oder andere Spitzkehre aus und rutschen auf dem aschigen Untergrund bei jedem Schritt sofort ein paar Zentimeter zurück. Höchste Zeit um den Kopf zu heben und die traumhafte Landschaft unter uns zu bewundern. Das Meer ist am heutigen Tag von Wolken übersät und nicht sichtbar, doch der Blick in den riesigen Kraterboden des Uraltvulkans hinab zum Dorf ist überragend. Wir bringen mehr und mehr Höhenmeter zwischen uns und die Gruppe um kommen letztlich nach 2:17 h:min am Kraterrand an und werfen einen ersten Blick in den schwefeldampfenden Krater des Pico de Fogo. Schnell schießen wir ein paar Fotos, um dann über ein Stahlseil gesichertes Klettersteig Stück zum tatsächlichen Gipfel aufzusteigen. Auf 2829m angekommen genießen wir mit Blick auf den unterhalb liegenden, schwefelgelben Krater von 2014 unsere Brotzeit und lassen die beeindruckende Kulisse auf uns wirken. Ein fitter Baske hat die portugiesische Reisegruppe überholt und leistet uns in der Höhe Gesellschaft, ehe wir den Abstieg über das Aschefeld in Angriff nehmen. Die geführte Gruppe ist da, eine Stunde später, gerade am Krater angekommen. Der Abstieg ist sowas von unfassbar spaßig und lustig. Wir rutschen knapp 800hm auf unseren Schuhen über das sandige und grobkörnige Aschefeld. Bei mehr als 38° Steigung rudert der Höhenmesser ordentlich im Gehäuse und keine 30min später stehen wir wieder am Ausgangspunkt des Aufstiegs und leeren unsere mit Steinen gefüllten Schuhe und Socken. Mit einem freudigen Strahlen im Gesicht schauen wir auf die schwarze Flanke des Bergs zurück, die wir mit staubigen Schritten und Sprüngen sensationell hinter uns gebracht haben. Toni Kraxlberger hat mal wieder ganze Arbeit geleistet und die Gruppe sicher rauf und wieder runter geführt. Doch man muss sagen, dass der Toni schon deutlich schwierigere Touren geleitet hat. Es gibt halt nur den einen Weg rauf und den anderen Weg wieder runter.

Zurück in der Unterkunft waschen wir uns den Lavastaub vom Körper und rasten uns kurz aus. Die Wassertanks werden neu befüllt und dann starten wir mit leckeren Rosinen, Pfeffer und Fogo-Wein im Gepäck den Abstieg nach Mosteiros. Wir umwandern das riesige Lavafeld des Ausbruchs von 1951 und älterer Ausbrüche mit einem Umweg von 6km und erreichen am Ende des Nationalparks ein neues Tal. Von einem auf den anderen Moment ist alles grün und bewaldet. Blickt man zurück erkennt man noch die trockenen Bäume und das trockene Lavagestein, blickt man voraus ist alles grün und feucht. Wir sind im Tal von Mosteiros und steigen 1400 weitere Höhenmeter hinab. Der Weg ist aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit durchnässt und super slippery. Ein alter Mann, der ein Eintrittsgeld von 100 Escudos pro Person verlangt, besorgt uns schnell drei Wanderstecken indem er die nächstbesten Bäume fällt und zurecht sägt. Links und rechts des Weges säumen sich die Mango-, Guaven-, Jackfruit-, Kaffee-Plantagen und allerlei weiteres Obst und Gemüsegewächs. Wir sind schon ziemlich platt vom langen Tag und der sanft dahingleitende Wanderweg lässt die verbleibenden Höhenmeter kaum schmelzen. Wir wünschen uns alle die spaßige Abstiegsmethode von heute Morgen zurück und wandeln sprachlos durch das ewige Grün, und das neblige Feuchtgebiet. Als wir unter uns endlich das Meer zu sehen und hören bekommen steigt die Stimmung wieder etwas. Aber immer noch 600hm und der Hunger setzt ein. Jetzt wird’s nervig. Unsere Beine haben schon 20km in den Knochen, wir sind seit 5:30 auf den Wadln und das Wasser ist leer. Als wir die Straße erreichen setzen wir uns auf die nächstbeste Mauer und verschnaufen, da huscht ein weißes Aluguer von links nach rechts und Schwupps sitzen wir auf der Rückbank. Die restlichen 300hm hinab in die Stadt verbringen wir lieber im Auto, denn das Kopfsteinpflaster hätte uns jetzt wirklich jeden Nerv geraubt. Außer zum Supermarkt, Wasser und Cola kaufen, und zum Restaurant Christine nebenan, Fisch und 1,5kg Reis, machen wir keine unnötigen Meter mehr. Die letzten Höhenmeter des Tages erklimmen wir zur Dachterrasse unserer Unterkunft, Pensao Pyramide, wo wir ein wohlverdientes Bier und ein Aufpunschmittel zu uns nehmen. Wir massieren uns gegenseitig die Wadln und dösen mit Blick auf den klaren Sternenhimmeln im Schatten des Vulkans. Aber irgendwie riecht hier was nach Ziege?! David bist du das?

[13.08] Salina und zurück nach Sao Filipe

Ein Frühstück das seinen Namen nicht verdient hat lockt uns aus unseren Federn. Wir müssen erst darauf warten und bekommen dann häppchenweise unsere erste Mahlzeit des Tages. Doch leider wird das Kredenzte mit jedem servierten Teller schlechter. Klasse Start; Nicht. Eher schwach angefangen und dann stark nachgelassen. Mit dem Taxi fahren wir dann zu einer schönen Bucht, Salina. Doch so doof der Tag begonnen hat, so spinnt er sich nun weiter. Basti und ich bouldern barfuß über die scharfkantigen Lavafelsen direkt überm Wasser. Da passiert es. Bastis Tritt bricht unter ihm weg und er stürzt unerwartet. Schon im Wasser bemerkt er den Cut am Fuß und schwimmt an Land. Ich klettere noch einen weiteren Boulder und sehe aus der Ferne den blutüberströmten Fuß, hüpfe rasch über die 5m hohe Klippe ins Wasser und schwimme zu Basti. Lena hat bereits das Erste-Hilfe Zeug aus dem Auto geholt. Wir säubern die Schnitte an beiden Füßen und verbinden die Wunden. Der Badespaß hat ein Ende und wir steigen wieder ins Taxi und fahren zurück nach Sao Filipe. Basti kann zum Glück selbstständig laufen, doch müssen wir hoffen, dass sich die Wunden nicht entzünden. Sonst war‘s das mit der Wanderei. Den Nachmittag verbringen im Hotelzimmer, denn sonntags ist das Dorf wie ausgestorben. Erst gegen Abend trauen sich die Menschen wieder auf die Straße und wir nehmen im Tropical ein leckeres Abendessen ein, ehe wir uns schweißüberströmt in unsere gemachten Betten legen. Es ist wieder mal super heiß auf den Kap Verden…

[14.08] Es ist zwar nicht super heiß auf der Fähre Richtung Praia, aber ich schwitze trotzdem wie in einer finnischen Sauna. Ich kämpfe gegen die Wellen, gegen das Schwanken und vor allem gegen meine Übelkeit. Ich sitze auf dem Außendeck und starre auf die undurchsichtige Reling. Das Vibrieren der Motoren trägt nicht gerade zu einer Linderung des wackelnden Magensafts bei. Zweieinhalb Stunden kann ich dem Unwohlsein entgegenhalten, doch dann übermannt es mich und ich lasse mir das Frühstück nochmal durch den Kopf gehen. Genauso tun es mir 90% der anderen Fahrgäste gleich. Nur Bastian, Lena und ein netter Baske mit unaussprechlichem Namen, den wir auch schon auf dem Vulkan getroffen haben, bleiben von der Kotztüte verschont. Nach vier Stunden Fahrt kommen wir endlich im Hafen von Praia an und das Motorengeräusch unter mir verstummt langsam. Endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Den restlichen Tag nutzen wir zur Regeneration, den ganz ohne Schaden sind auch Basti und Lena nicht von der Fähre gekommen.

Morgen stürzen wir uns in unsere letzten Reisetage. Wir hoffen zum Anlass des Nationalfeiertags auf ein kleines Festival in Praia und reisen dann nach Assomada ins Zentrum der Insel weiter, wo wir noch einige Wanderungen in den Bergen unternehmen wollen.

Bis dahin,

Euer David, alias Toni Kraxlberger