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Down Under…

ist sehr nah dran an dem Land in dem ich seit genau drei Wochen lebe. Doch ich glaube, ich kann schon jetzt mit Fug und Recht behaupten, dass Neuseeland einiges zu bieten hat, vielleicht sogar interessanter ist als Australien – zumindest für mich bis jetzt! Anfang März bin ich in diesem wunderschönen Land am winzigen Flughafen von Whanganui gelandet und habe schon so viel erlebt, dass es sich eher wie drei Monate anfühlt.

Ich wurde sowohl von meinen Gasteltern als auch dem gesamten Kollegium sehr herzlich empfangen. Auch die Kinder haben bereits in den ersten Tagen sehr positiv auf mich reagiert, denn hier an der Whanganui Intermediate School ist internationaler Besuch immer noch etwas sehr Besonderes. Und auch für mich sind hier definitiv einige Dinge besonders und sehr unterschiedlich zu dem Schulsystem, wie man es in Bayern kennt:

1.Gebäude und Klassenzimmer

Das Gebäude ist einstöckig, dafür aber weitläufig. Es gibt große Grünflächen und genug Platz für die Kinder auf dem Pausenhof, wo sie sich während den Pausen aufhalten können. Die Klassenzimmer sind verschieden gestaltet. Es gibt einige Räume, die etwas „old-fashioned“ wirken. Hier sind die Reihen hintereinander angeordnet und es sitzen maximal drei Schüler nebeneinander. Dann gibt es viele neuere Räume, in denen die Schüler in kleinen Gruppen an runden Tischen sitzen und in manchen Räumen sind die Tische und Stühle ganz überflüssig geworden, denn hier setzen sich die Jugendlichen einfach auf den Boden.  Dieser ist in fast allen Raeumen mit Teppichboden ausgelegt.

2. Unterrichtsfächer

Ähnlich wie in Deutschland gibt es hier in Neuseeland Fächer wie Englisch, Mathe, Musik, Kunst, Sport und Naturwissenschaften. Daneben gibt es aber auch Fächer wie „Hard materials“, „Food Tech“ und „Robotics“. In diesen Fächern erlernen die Schüler schon sehr früh alltägliche Fähigkeiten und Fertigkeiten und können neben dem kognitiven Wissen auch ihre psychomotorischen Stärken zur Geltung bringen. Ein weiteres besonderes Fach ist sicherlich der Maori Unterricht, in welchem die Schüler die Sprache und Kultur der Ureinwohner Neuseelands kennenlernen. Weitere Wahlfächer sind u.a. verschiedene Sportkurse am Nachmittag, die Theatergruppe oder der Schulchor.  

3. Unterricht

Der Unterricht ist – in meinen eigenen Worten formuliert – ein offen gestalteter Frontalunterricht. Denn die Lehrkraft ist schon noch sehr präsent in den meisten Stunden, jedoch haben die Schüler auch viel Freiraum, sich selbst einzubringen, Fragen zu stellen, eigenverantwortlich ihren Lernprozess zu gestalten und voran zu treiben. Der Unterricht findet auf einem ganz anderen Niveau statt, als wir es von Bayern gewohnt sind, denn es handelt sich ja um eine Gesamtschule. Die Schüler erwerben weniger Inhalt, dafür mehr Kompetenzen.

4. Schulform

Die Schulform ist wie eben erwähnt die Gesamtschule und für mich als ehemalige Gymnasiastin etwas ganz Besonderes. Die Klassen sind vom Niveau her sehr heterogen und es stellt eine rießige Herausforderung für die Lehrer dar alle unter einen Hut zu bekommen. Auch die Kinder mit „Special Needs“ also sonderpädagogischem Förderbedarf gehen zu dieser Schule und sind im Regelunterricht inkludiert. Dennoch erhalten sie von einigen Lehrern und Außenstehenden Unterstützung und Einzelunterricht.

5. Lehrerexpertise

Es ist nicht wie an bayerischen Schulen, dass die Lehrer für einzelne Fächer ausgebildet werden. Hier machen sie eher eine Grundausbildung und werden dann dort eingesetzt, wo sie gebraucht werden. So passiert es, dass eine Lehrkraft im ersten Jahr Naturwissenschaften und Sport unterrichtet und im zweiten Jahr Englisch. Die Lehrer müssen sich immer wieder neu einarbeiten, was mit viel Arbeit verbunden ist und können demnach selbstverständlich nicht in allen Fächern eine weitreichende Expertise aufweisen.

6. Schuljahr

Das Schuljahr ist gegliedert in vier Abschnitte, die „Terms“ genannt werden. Es startet nach den Sommerferien Anfang bis Mitte Februar und dauert dann bis Mitte Dezember. Die Noten werden in allen vier Terms gemacht.

7. Schultag

Der Schultag beginnt um 08:45 Uhr in den jeweiligen Klassenräumen, demnach „Homeroom“ genannt. Während dessen wird die Schulhymne gesungen, die Anwesenheit überprüft und die News des Tages werden gelesen. Um 9 Uhr startet dann der erste Block von 90 Minuten Unterricht. Nach dem „morning tea“ von etwa 20 Minuten folgt der Mittelblock. Der letzte Unterrichtsblock schliesst an die Mittagspause an. Sie dauert knapp 50 Minuten und bietet den Schülern genug Zeit ihren „Lunch“ zu geniessen und den Kopf frei zu bekommen.

8. Außerunterrichtliche Aktivitäten

Ich hatte das Glück auch an einigen außerunterrichtlichen Aktivitäten beteiligt gewesen zu sein. Der Triathlon Wettkampf, an dem acht unserer
Schüler teilnahmen, fand schon an meinem zweiten Schultag statt. Die „live-saving competition“ war dann drei Tage später. Es fanden einige Cricket Spiele statt und in meiner vierten Woche wird noch ein interschulischer Schwimmwettkampf ausgetragen werden. Anfang Mai findet das legendäre „Camp“ statt, auf welches sich alle schon sehr freuen.

9. Sport

Ein Fokus der Schule liegt definitiv auf der Verbesserung der sportlichen Fähigkeiten der Schüler und darin, die sportliche Betätigung zu einem Teil ihres Lebens zu machen. Das ist anders an den bayerischen Schulen, wie man sie kennt, und deshalb eine weitere Besonderheit.

10. Schulleben

Als Letztes war es mir ein Anliegen auch das Schulleben zu beschreiben, denn das ist wirklich herausragend familiär. Hier kann man tatsächlich von einer Schulfamilie sprechen, was sicherlich damit zusammenhängt, dass die Klassen sich aus unterschiedlichen Jahrgangsstufen zusammensetzen. Dennoch kommt auch ein großer Anteil dieser Atmosphäre den Lehrern zu, die den Schülern immer ein offenes Ohr schenken, sie mit „Green cards“ für ihr löbliches Verhalten belohnen und immer wieder an die zentralen Werte der Schule erinnern: Respekt, Durchhaltevermögen und Verantwortlichkeit. Man merkt auf jeden Fall eine positive Stimmung an der Schule, was meiner Meinung nach eng mit diesen Werten verknüpft ist. Außerdem tragen alle Schüler Schuluniform, was hier sicherlich mit unter dazu beiträgt, dass sich das Mobbing in Grenzen hält.

Die beschriebenen Unterschiede sind mir in meinen ersten drei Wochen hier an der Schule aufgefallen und machen meinen Schulalltag definitiv aufregend und abwechslungsreich. Die Präsentationen über mein Land und meine Kultur laufen auch gut und ich bin gespannt was mich in nächster Zeit noch alles erwartet. Was ich jedoch schon sagen kann: die Reise hat sich auf alle Fälle jetzt schon gelohnt und ist definitiv für alle Interessierten empfehlenswert!