Norwegen,  Oslo

The Queen of Nordic Cool-Oslo

 

Am 7. Februar hieß es für mich endlich: „Ciao München und Hei Norge!!“

Jetzt bin ich also seit knapp zwei Wochen in Oslo und ich fühle mich schon total wohl. Kaum spazier ich aus der Wohnung, bin ich umgeben von Bergen, Meer, Wäldern und einer unglaublich schönen Stadt mit vielen Parks, Museum, alter und neuer Architektur und tausend kleine Läden mit typisch, skandinavischem Design. Schon der erste Tag hat richtig norwegisch begonnen. Nachdem ich Sonntag Abend gelandet bin und die Wohnung bezogen habe, die die Schule für mich (allein!!) zur Verfügung stellt, bin ich Montag in der Früh gleich von dickend Schneeflocken und minus 10 Grad begrüßt worden. Der 25 minütige Weg in die Schule mit Bus und Trikkbahn ging rum wie im Flug, weil er durch einen der schönsten Teile der Stadt führt und ich die ganze Zeit aus dem Fenster starren musste, um Nordstrand und den Blick über den Fjord zu genießen.

Die Kongshavn videregående skole, an der ich arbeite ist im Gebäude einer alten Seefahrts-Akademie untergebracht und schaut aus wie ein kleines, norwegisches Hogwarts. Der Schulleiter Jan und die anderen Kollegen haben mich sehr herzlich aufgenommen und ich habe gleich meinen eigenen Arbeitsplatz, Laptop und Stundenplan bekommen. In der ersten Woche habe ich vor Allem in Deutsch und Englisch hospitiert, aber seit ein paar Tagen darf ich jetzt auch schon eigenen Stunden halten bzw. kleine Gruppen übernehmen und mit ihnen intensiviert arbeiten. 

Der Unterricht beginnt hier jede Tag um 8:15 Uhr und endet um 15:30 Uhr. Die SuS sind zwischen 16 und 19 Jahren alt und sprechen alle ziemlich gutes Englisch. Auch im Deutschunterricht gibt es viele gute Klassen, aber hier merkt man wesentlich stärkere, individuelle Unterschiede. Vor Allem die SuS mit Migrationshintegrund hinken aber sowohl in Englisch, Norwegisch als auch in Deutsch stark hinterher. Die Schule hat deshalb eigene E-Klassen für sie eingerichtet, um sie weniger zu frustrieren und ihnen mehr Zeit zum lernen der Sprachen zu geben. Das hat aber leider auch zur Folge, dass die E-Klassen SuS recht isoliert vom Rest der Schule bleiben, nur schlecht Anschluß außerhalb der eigenen Gruppe finden und häufig Aussprache und falsche Wörter von den anderen Klassenkameraden übernehmen, weil schlichtweg andere Sprachvorbilder  oder Austauschpartner fehlen.

 

Um so toller finde ich es aber, dass die Arbeitseinstellung genau dieser E-Gruppen unglaublich positiv ist und sich der Unterricht mit Ihnen extrem lebendig gestalten lässt. Es braucht eigentlich keinerlei Überzeugungsarbeit meinerseits, um die SuS zu einer Diskussion oder selbstständigem Arbeiten zu motivieren. Nach der Stunde bleiben sie häufig noch länger im Klassenzimmer, ratschen über das Stundenthema und stellen Fragen. Der Unterschied zu den meisten „anderen“ Klassen könnte nicht größer sein: Viele von den „einheimischen“ SuS surfen während dem Unterricht ungeniert im Internet, hören Musik auf ihrem Handy, gehen aus dem Klassenzimmer ohne Erklärung, lassen ihren Müll überall !!! liegen und kommen fast schon täglich zu spät, ohne sich dafür zu entschuldigen. Einige brauchen mehr als fünf Aufforderungen, bevor sie sich ihrem Arbeitsauftrag zuwenden, wenn sie es denn überhaupt tun und das alles wird von den meisten Kollegen so akzeptiert auch wenn viele darüber nicht glücklich scheinen.

Meine eigenen Vorstellungen von gutem Klassenklima und Respekt (die zugegeben vielleicht ein bisschen arg deutsch sind) lassen sich da in manchen Situationen nur schwer mit der „norwegischen Realität“ vereinbaren. Das alles hört sich jetzt vermutlich ein bisschen zu dramatisch an, aber ich versuche nur meine persönlichen und ungefilterten, ersten Eindrücke festzuhalten. Ich bin mir natürlich im Klaren darüber, dass mein eigener Standard nicht das Maß aller Dinge ist und ich werde den Teufel tun und den anderen Kollegen mit meinen Beobachtungen auf die Füße treten, aber in „meinen“ Stunden habe ich bisher trotzdem mal versucht ein paar Regeln einzuführen und durchzusetzen. Bisher nehmen die SuS meine „strenge Art“ eigentlich auch ganz gut auf, auch wenn ich bei einzelnen SuS anfangs schon noch auf heftigen Widerstand gestoßen bin. Vi vil se!

So schwierig das Thema Disziplin in einigen Klassen auch sein mag, um so positiver stechen andere Dinge an der Schule hervor. Der Umgang mit Technik ist wirklich unglaublich fortschrittlich und die Möglichkeiten, die den Schülern neben dem Unterricht angeboten werden sind beneidenswert. Es gibt viele AGs die an Wettbewerben und Projekten in Oslo und Umgebung teilnehmen, jeder Schüler hat ein eigenen Laptop, den die Schule stellt und die SuS könne jederzeit die Bibliothek, ein Sprachlabor und mehrere Fitnessräume benutzten. Außerdem ist man hier als Lehrer per Du mit den SuS und die Zusammenarbeit ist in einigen Aspekten auch wirklich sehr viel angenehmer als in Deutschland. Als Lehrer wird man hier auf keinen Fall als „Feind“ oder distanzierte Autorität gesehen, sondern vielmehr als Begleiter und „Mentor“, zu dem man auch mal mit privaten Sorgen kommen kann und der es grundsätzlich gut mit einem meint. Auch inhaltlich ist der Unterricht sehr schülernah und es wird extrem viel Wert auf einen Anwendungsbezug für die SuS gelegt. Viele Texte im Deutschbuch sind tatsächlich informativ, hilfreich und vor Allem nah dran an einer möglichen „Ziellandsituation“. Da könnten sich so mancher deutsche Lehrplanbeauftragte noch eine Scheibe davon abschneiden, aber das führt jetzt vielleicht ein bisschen zu weit…

Ich merke grad, dass ich schon wieder ins Faseln komm, also höre ich jetzt mal auf. Ehrlich gesagt habe ich noch nie so einen Blog geschrieben und hoffe, dass mein Erzähen für euch überhaupt Sinn macht? So wirr wie meine Berichte gerade ausfallen, so siehts leider derzeit aufgrund der vielen neuen Eindrücke auch noch in meinem Kopf aus. Ich hoffe ihr verzeiht mir das! 😉 Nächste Woche sind hier Winterferien und ich komme endlich mal dazu ein bisschen mehr zu unternehmen. Beim nächsten Eintrag kann ich euch dann hoffentlich von vielen Ausflügen, ersten Langlaufversuchen, Lønningspilsen und dem Geschmack von Stinkefisch berichten.

Bis dahin, haltet die Ohren steif ihr anderen Auslands-Lehrer…

& Ha det brå !!!

Eure LauraIMG_0048

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