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Kia Ora Auckland Normal Intermediate School


Liebe zukünftige Praktikanten,

wir, das sind Julia und Clara waren vier Wochen in der ANI School, der Auckland Normal Intermediate School. Diese Schule ist in dem Stadtbezirk Mount Eden von Auckland. Nun ja was sollen wir sagen, die Erfahrungen die wir dort gemacht haben, die Menschen die wir dort getroffen haben und die Gemeinschaft in die wir uns eingliedern durften war einfach nur unglaublich. Ja, ein Auslandspraktikum zu machen ist für viele ein großer Schritt, aber wirklich nur zu empfehlen. 

An der ANI bekamen wir unterschiedliche Klassenräume und Lehrer zugeteilt, Julia war in Room 1 bei Mr. Reynolds und ich war bei Mr. Markham in Room 8. Der erste Tag begann turbulent, von Anfang an war ich Teil der Klasse. Mr. Markham hat sich unglaublich bemüht, mich in die Klassenfamilie zu integrieren. Die Kinder waren sehr interessiert an meiner Person und waren unglaublich höflich und umgänglich. In der ersten Woche habe ich schon mehrmals Aufsicht geführt und war Ansprechpartner für die Kinder in allen Belangen. In der zweiten Woche nahm uns Mr. Markham mit auf ein Softballspiel gegen andere Schulen. Wir hatten Aufsicht über Year 7. Zuerst fand ich das Ganze sehr befremdlich, da ich keine Ahnung von Softball hatte und ich die Schüler nicht kannte. Anfangs wurde immer eine Spielaufstellung und die Namen der Kinder gefordert, glücklicherweise haben die Schüler schnell gemerkt, dass ich keine Ahnung von dem Spiel hatte und mich in die Regeln eingewiesen, sich aber größtenteils selbstorganisiert. Sie hatten ziemlich Spaß dabei, uns das Spielen in den Pausen beizubringen. Leider war unser Kampfgeist zwar groß unser Spiel im Allgemeinen aber miserabel. 🙂

Natürlich haben wir auch eigene Stunden gehalten. Meine Stunden waren über Deutschland, Bayern, eine Sprachsequenz und die deutsche Geschichte (hier war das Interesse besonders groß). Mein Highlight war, als einer der Schüler, der seiner Meinung nach viel zu cool für die Schule war, am Ende meiner Stunde zu mir kam und die Stunde gelobt hat.

Auch ich, Julia, habe einige Doppelstunden gehalten um über Deutschland zu berichten. Über einen persönlichen Einstieg zu meiner Familie, Biographie und Lebensweise habe ich einen ersten Zugang geschaffen. Hier habe ich der Klasse erste Wörter auf Deutsch vermittelt, wie zum Beispiel Familie, Bruder, mein Haus und meine Schule. Den Kindern fiel auf das die zwei Sprachen, Deutsch und Englisch eine gewisse Ähnlichkeit aufweisen. Wir bastelten zusammen eine kleines „Suitcase“, in den sie persönlich interessante Fakten und die Ergebnisse der anschließenden Stationenarbeit in Gruppen eintragen konnten. Die folgende Unterrichtseinheit musste ich allerdings etwas offener gestalten, da die Schüler sehr eigenständig arbeiteten und es gewohnt sind in ihrem eigenen Tempo voranzuschreiten. Folglich lockerte ich die Bedingung der Arbeit in Gruppen und dem gemeinsamen Voranschreiten an den Stationen hin zu einer Selbstorganisation von Zeit- und Sozialform. Die Klasslehrer wiesen uns darauf hin, die Instruktion zu Beginn möglichst kurz und die Phase der Eigenaktivität möglichst groß zu halten. Um einen Überblick über das individuelle Fortschreiten zu behalten, konnten die Lernenden Budgets zu jeder thematisch separierten Station erhalten und auf ihr Suitcase kleben.

Im Lehrerzimmer waren wir immer gut aufgehoben und willkommen. Da wir etwas von der Schule entfernt gewohnt haben, hat sich am ersten Tag schon ein Lehrer angeboten uns mitzunehmen. Julia war hier sehr selbstbewusst und hat gleich in die Runde gefragt, welche Möglichkeiten  wir neben Uber haben, um pünktlich zur Schule zu kommen. Deshalb immer merken, durch Fragen kommt man ans Ziel! Die Zeit an der Schule verging sehr schnell, wir haben in der Früh in der Schule gefrühstückt, um 8:45 startete dann der Unterricht mit der übelichen Routine, diese bestand im Überprüfen der Anwesenheit der Kinder mittles persönlichem Begrüßen durch den Klassenlehrer und Besprechen von Organisatorischem. Um 10:30 Uhr gab es die erste Pause, den „Morning Tea“ und um 12:30 eine Stunde „Lunch“. Nach letzterer Pause wurde ein weiteres Mal die Anwesenheit in den Klassen überprüft. Zum Lunch waren wir des Öfteren beim Sushi-essen, fünf Minuten von der Schule entfernt. 

Die ANI ist eine sehr internationale Schule, sowohl Lehrer_innen, als auch Schüler_innen kommen aus verschiedenen Ländern. Zum diesjährigen Start des Schuljahres haben Lehrer_innen aus England, Südafrika und Amerika angefangen. Dadurch, ist die Schule von verschiedenen Einflüssen geprägt und verändert sich mit den neuen Gesichtern immer weiter. Auch die Kinder kommen oft aus anderen Ländern. In meiner Klasse waren Schüler_innen aus Indien, China, Japan, Canada und Norwegen. Besonders auffällig ist die hohe Zahl an asiatisch-stämmiger Schülerschaft.

Bemerkenswert war auch der Umgang der Schüler_innen mit den Lehrer_innen und unter den Peers. Sie wirkten sehr ausgeglichen, freundlich aber auch zunächst zurückhaltend. Des Weiteren ist die Schule in Neuseeland zwar auf Ganztag ausgerichtet, jedoch haben die Schüler nicht mehr als sechs Stunden am Tag. Die Entzerrung findet durch längere Pausen statt. Wir haben einmal ausgerechnet, dass die Kinder bei sechs Unterrichtsstunden bis zu 45 Minuten länger Pause haben, als es in Deutschland der Fall ist. Eventuell spielt auch diese Auflockerung der Lernkultur in diese Ausgeglichenheit der Schülerschaft ein. 

Während des Praktikums habe wir erleben dürfen, wie die Schüler für sich selbst verantwortlich arbeiteten. Kleine Tests wurden selbst korrigiert und benotet, es wurde meist frei und eigenverantwortlich an einem vom Lehrer gestellten Arbeitsauftrag gearbeitet. Die Lehrer_innen hatten eher die Aufgabe des Moderators und Begleiters. 

Wir beide haben durch diese Reise unglaublich viel gelernt und uns selbst weiterentwickelt. Deshalb ist es nur Jedem empfehlen, ins Ausland zu gehen und sich dort die Schulen anzusehen. Man bekommt unglaublich viel Input, neue Ideen und einen anderen Blickwinkel. Wir hoffen, dass wir sehr viel von dem, was wir gelernt habe, in unserer Zeit als Lehrer umzusetzen werden.

Viele Grüße und eine schöne Zeit wünschen

Clara und Julia