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Kia ora, Wanganui!

Nach einer gefuehlt ewig langen Vorbereitungszeit fuer das EWS-Examen und anschliessend etwa einer Woche krank im Bett liegen, hatte ich gut 5 Tage um mich auf meine Reise zum anderen Ende der Welt vorzubereiten. Den Rucksack gefuellt mit Schokolade, etwas Wein und bayerischen Souvenirs fuer meine „Gasteltern“ (unfassbar, wie schwer so wenig Gepaeck sein kann!) hiess es dann fuer mich am 22.02. auch endlich – bye bye Germany and hello Aotearoa!

Meine Reisezeit von insgesamt 36 Stunden und 3 Stunden Schlaf ging erstaunlich schnell vorbei und somit erreichte ich am 24.02. in einer kleinen Propellermaschine mit etwa 10 Mitreisenden den Flughafen der Kleinstadt Wanganui. Sie befindet sich etwa 200 Kilometer nord-westlich von Wellington, 12787583_10153813671982631_1641108700_o.jpgdirekt am Meer. Durch die 40 000 Einwohner Stadt schlaengelt sich der Whanganui River, der mit seinen zahlreichen altmodischen Dampfschiffen und Wassersportlern eine der Hauptattraktionen darstellt (Freitagabend durfte ich mich auch gleich mal als Wakeboarderin versuchen und die braeunliche Suppe mehr oder weniger freiwillig „verkosten“)

Meine „Gasteltern“, Dawn und Ross (zwei Lehrer), begruessten mich sehr herzlich und gaben mir sofort das Gefuehl, „zu Hause“ angekommen zu sein. Sie leben in einem kleinen Haeuschen nur etwa 15 Minuten zu Fuss von der Wanganui Intermediate School, in welcher ich die naechsten Wochen arbeiten werde entfernt. Um mich am ersten Tag nicht sofort meinem Jetlag hinzugeben und stundenlang im Bett zu versinken, machte ich mich nachmittags gleich auf den Weg zur Schule.

Der Unterricht beginnt hier jeden Morgen um 8:50 und endet um 15:00Uhr. Dabei ist der Tag in je drei eineinhalbstuendige Sequenzen unterteilt, in den die Schueler ueberwiegend in ihren eigenen Klassenraeumen und immer vom selben Klassenlehrern unterrichtet werden (ausgenommen Kunst und Naturwissenschaften). Mir fielen sofort die bunt und verspielt gestalteten Klassenzimmer, die mich doch ein wenig an meine Grundschulzeit erinnern, sowie die herausragende Disziplin der SchuelerInnen waehrend dem Unterricht und auf dem Pausenhof auf. Zu fast allen Gelegenheit stehen die Kinder leise in Reih und Glied und jeder Meter Fussmarsch erfolgt in geordneten Schlangen (so zumindest der erste Eindruck. Mal sehen, ob sich da noch was aendert).

DSC_0142.JPGAlle Lehrer laufen mit sogenannten „green cards“ durch die Gebaeude und den Schulhof und verteilen diese an Schueler, die ihnen besonders positiv auffallen. Am Ende einer Woche werden diese Papierschnipsel vom Klassenleiter gesammelt und protokolliert. Die Belohnung einzelner Schueler erfolgt mit Suessigkeiten oder Auszeichnungen. Sobald alle Kinder einer Klasse je 10 Karten gesammelt haben, duerfen sie fuer einen Tag ohne Schuluniform erscheinen. Es ist daher also nicht mehr ganz so erstaunlich, wenn einem zu jeder Gelegenheit die Tuer aufgehalten, die Tasche abgenommen und freundlich zugerufen wird (dementsprechend gross ist die Enttaeuschung, wenn weit und breit keine gruenen Zettelchen zu sehen sind). Aber insgesamt macht alles doch einen sehr liebevollen, familiaeren und respektvollen Eindruck!

Vor einem Monat war der offizielle Start des neuen Schuljahres. Um die neuen Schueler besser in die Klasse  zu integrieren, fahren je zwei Schulklassen zum Lake Wiritoa, der nur etwa 15 Minuten von der Schule entfernt liegt, um in Teams unterschiedliche Aufgaben zu bewaeltigen. Ich bekam schon gleich meine eigene kleine Schuelergruppe, die vormittags zuerst lernten, wie man zu zweit ein kleines Segelboot bedienen kann und nachmittags verschiedene Spiele zur Arbeit im Team ausprobieren durften. Die Kinder hatten sehr viel Spass und das Feedback zum „confidence course“ fiel erstaunlich positiv aus. Gleichzeitig lernte ich die eher unangenehme Seite der neuseelaendischen Sonne kenen, die mir trotz hoechstem Sonnenschutzfaktor und langaermligen Shirt im Schatten einen roten Anstrich verpasste.

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Am darauffolgenden Tag konnte ich mir als angehende Biologie- und Chemie-Lehrerin einen kleinen Eindruck vom Science-Unterricht machen. Da in Neuseeland ein grosser Mangel an Lehrern in der Naturwissenschaften herrscht,  steht der Wanganui Intermediate School nur eine einzige Lehrkraft fuer etwa 650 SchuelerInnen zur Verfuegung.

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Nach nur zwei Schultagen habe ich bereits das Gefuehl, angekommen zu sein und freue mich auf die naechsten Wochen, in denen ich mit den Kindern unterschiedliche Einheiten zum Thema Deutschland und Deutsch behandeln werde.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, was Neuseeland noch so alles auf Lager hat :-).

Bis zum naechsten Mal und ka kite ano,

Birgit